Christian Scheid-Kolumne 26.07.2022 10:45:08

Lithium - Hohe Nachfrage treibt die Preise

Kolumne

Es war ein kleiner Schock für viele Lithium-Aktien: Die Analysten von Goldman Sachs prognostizierten Ende Mai, dass die Preise für drei Batteriemetalle - Lithium, Nickel und Kobalt - ab 2023 deutlich fallen würden. Nach dem aktuell starken Mangel würde sich bereits im kommenden Jahr ein Überangebot abzeichnen. Die langfristigen Aussichten für die Metalle bleiben jedoch gut, räumte Goldman selbst ein. "Diese Phase des Überangebots wird letztendlich die Saat für den Superzyklus der Batteriematerialien in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts säen", so die Experten. Die weiter anziehende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen dürfte vor allem die Lithiumpreise ab 2024 wieder steigen lassen. Lithium ist zwar grundsätzlich weltweit ausreichend vorhanden, aber die Gewinnung ist kompliziert, der Aufbau einer Produktion dauert viele Jahre.

Die meisten Lithium-Aktien korrigierten nach der Goldman-Prognose. Nach dem vorherigen Anstieg war eine Konsolidierung jedoch überfällig. Auch der Best of Lithium Index, in dem neun global aktive Lithium-Player enthalten sind, ist nach dem neuen Rekordhoch Ende Mai nun wieder auf ein gemäßigtes Niveau zurückgekommen. Ein neuer Anstieg ist nur eine Frage der Zeit. Denn Bloomberg Energy Finance rechnet damit, dass die Preise für Lithiumcarbonat und -hydroxid - die wichtigsten Lithiumchemikalien, die in der Batterieproduktion verwendet werden - aufgrund anhaltender Lithiumknappheit bis 2030 weiter in die Höhe schnellen werden.

Dieser Ansicht ist auch Elon Musk. Im Rahmen eines Analystencalls anlässlich der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen des Elektroautobauers Tesla forderte der Milliardär dazu auf, sich doch in der Lithiumbranche zu engagieren. Sie sei die Lizenz zum Gelddrucken. Kein Wunder: Die Lithiumknappheit, die vermutlich noch viele Jahre anhalten wird, hat die Preise für eine Tonne Lithium von weit unter 10.000 Dollar auf zeitweise mehr als 70.000 Dollar explodieren lassen. Und auch aktuell befindet sich die Notierung nur unweit dieser Rekorde.

Ganz anders sieht es bei den Lithium-Aktien aus: Ein Blick auf die Kursentwicklung in den vergangenen sechs Monaten zeigt große Performance-Unterschiede. Während sich SQM - neben Ganfeng aus China der weltweit größte Lithiumproduzent - fast verdop-pelt hat, musste Vulcan Energy Resources nahezu eine Halbierung des Kurses verkraften. Das deutsch-australische Unternehmen will Lithium in großem Stil aus Thermal-wasser gewinnen. Gerade ist der weltweit viertgrößte Autohersteller Stellantis mit 50 Mio. Euro beim Karlsruher Lithiumförderer eingestiegen und wird damit zweitgrößter Anteilseigner. Mit dem Geld soll die geplante Produktionserweiterung im Oberrheingraben vorangetrieben werden. Vulcan Energy Resources will ab 2025 mindestens 40.000 Tonnen Lithium jährlich produzieren.

Der US-Konzern Albemarle produziert bereits und plant nun den Bau einer weiteren Lithium-Verarbeitungsanlage in den Vereinigten Staaten, die allein so viel von dem Metall produzieren würde, wie das gesamte Unternehmen heute herstellt. Ein Manager nannte es "eine bullishe Wette auf Amerikas vollelektrische Zukunft". Neben Vulcan Energy und Albemarle enthält der Best of Lithium Index sieben weitere Aktien, die auf verschiedene Weise die Nachfrage nach dem "weißen Gold" bedienen. Mit dem Tracker (ISIN DE000DA0AAS6 >>>), bei dem Morgan Stanley als Marketmaker fungiert, können Anleger an der Entwicklung des Auswahlbarometers nahezu eins zu eins partizipieren.

Christian Scheid, Chefredakteur von Zertifikate Austria, begann sich Mitte der Neunziger Jahre für die internationalen Finanzmärkte zu begeistern. Nach seinem Abschluss zum Diplom-Volkswirt 1999 war er Redakteur und Ressortleiter beim Anlegermagazin "Börse Online". Seit 2006 ist er als Freier Wirtschafts- und Finanzjournalist selbstständig. Hier können Sie sich für den Gratis-Newsletter anmelden: Zertifikate Austria


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