Weniger verdient 05.11.2019 17:50:00

Evonik mit Umsatzwarnung - Evonik hält an Peroxychem-Übernahme fest - Evonik-Aktie legt dennoch zu

Evonik mit Umsatzwarnung - Evonik hält an Peroxychem-Übernahme fest - Evonik-Aktie legt dennoch zu

Die Umsatzprognose für das laufende Jahr senkte der MDAX-Konzern deshalb, am Ergebnisausblick hält Evonik indes fest.

"Wir haben uns frühzeitig mit erhöhter Kostendisziplin und zusätzlichen Einsparmaßnahmen für das schwächere gesamtwirtschaftliche Umfeld gerüstet", sagte Evonik-CEO Christian Kullmann. "Wir gehen da sehr konsequent vor, um das Jahresergebnis zu sichern."

In den drei Monaten per Ende September ging der Umsatz um 3 Prozent auf 3,232 Milliarden Euro zurück. Alle drei Segmente verzeichneten Rückgänge. Das bereinigte Betriebsergebnis (EBITDA) sank um 6 Prozent auf 543 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb ein bereinigter Konzerngewinn von 195 Millionen Euro, nach 307 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

Die Analysten hatten mit Einnahmen von 3,28 Milliarden Euro, einem bereinigten EBITDA von 537 und einem bereinigten Konzerngewinn von 215 Millionen Euro gerechnet.

Das im vergangenen Jahr gestartete Effizienzprogramm zur Senkung von Vertriebs- und Verwaltungskosten um jährlich 200 Millionen Euro werde beschleunigt, teilte der Konzern weiter mit. Bis Ende dieses Jahr werden davon bereits 120 Millionen Euro erreicht, 20 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant. Weitere Maßnahmen, wie etwa die Zurückhaltung bei Neueinstellungen und ein restriktiver Umgang mit externen Kosten, sollen im zweiten Halbjahr weitere 20 Millionen Euro beitragen.

Für 2019 erwartet Evonik weiterhin ein bereinigtes EBITDA der fortgeführten Aktivitäten mindestens auf Vorjahresniveau. Der Umsatz werde wegen einer geringeren Mengennachfrage aber leicht unter Vorjahr erwartet, teilte die Evonik Industries AG mit. Bisher hatte Evonik den Umsatz in etwa auf Vorjahresniveau gesehen.

Die Prognose für den freien Cashflow konkretisierte Evonik und erwartet diesen nun bei rund 700 Millionen Euro. Bislang hatte der Chemiekonzern eine deutliche Steigerung des Cashflows vom Vorjahreswert von 526 Millionen Euro in Aussicht gestellt, ohne diese näher zu beziffern.

Im Geschäftsjahr 2018 hatte Evonik - ohne das mittlerweile verkaufte MethacrylatGeschäft - einen Umsatz von 13,3 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBITDA von 2,15 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Evonik hält trotz Widerstands einer US-Behörde an Peroxychem-Übernahme fest

Der Spezialchemiekonzern Evonik gibt sich bei der geplanten Übernahme des US-Herstellers von Wasserstoffperoxid Peroxychem trotz des Widerspruchs der US-Handelsaufsicht zuversichtlich. Der MDAX-Konzern hält die Klage der FTC gegen den Kauf weiterhin für unbegründet und rechnet nun mit einem Abschluss der Akquisition im Jahr 2020. Einige Analysten wie Heiko Feber vom Bankhaus Lampe hatten einen Erfolg der Übernahme bereits zuletzt als unwahrscheinlich eingestuft.

Die FTC hatte im Sommer wegen Wettbewerbsbedenken Klage gegen den 625 Millionen US-Dollar (560 Mio Euro) schweren Deal eingereicht. Mit dem Kauf will Evonik-Chef Christian Kullmann eigentlich das profitablere Spezialchemiegeschäft ausbauen. So bietet Evonik im Geschäftsbereich Active Oxygens den Kunden bereits Lösungen rund um Wasserstoffperoxid an, allerdings eher Standardanwendungen. Mit Peroxychem sollen mehr Spezialitäten rund um das Desinfektions- und Bleichmittel hinzukommen, das Chlor ersetzen kann.

Analystenreaktionen

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Einstufung für Evonik nach Quartalszahlen auf "Sell" mit einem Kursziel von 20 Euro belassen. Die Nachhaltigkeit zusätzlicher Selbsthilfemaßnahmen und Lizenzvereinbarungen dürften die Investoren hinterfragen, schrieb Analystin Georgina Iwamoto in einer am Dienstag vorliegenden Studie. Auch der Margenrückgang in allen operativen Segmenten des Spezialchemiekonzerns dürfte Fragen aufwerfen.

Das US-Analysehaus Bernstein Research hat die Einstufung für Evonik nach Zahlen auf "Outperform" mit einem Kursziel von 30 Euro belassen. Einsparungen hätten den Spezialchemiekonzern im dritten Quartal gerettet, schrieb Analyst Gunther Zechmann in einer am Dienstag vorliegenden Studie. Zuversichtliche Signale für das Schlussquartal dürften zu leicht steigenden Markterwartungen führen.

Die Baader Bank hat die Einstufung für Evonik nach Zahlen auf "Buy" mit einem Kursziel von 29 Euro belassen. Die Restrukturierungsmaßnahmen des Spezialchemiekonzerns zeigten in steigender Profitabilität ihre Wirkung, schrieb Analystin Laura Lopez Pineda in einer am Dienstag vorliegenden Studie.

Die Schweizer Großbank UBS hat die Einstufung für Evonik nach Zahlen auf "Sell" mit einem Kursziel von 20 Euro belassen. Das dritte Quartal sei beim Spezialchemiekonzern durchwachsen gewesen, schrieb Analyst Geoff Haire in einer am Dienstag vorliegenden Studie. Die Jahresziele seien zwar unverändert, zum Jahresende hin zeichne sich jedoch eine Abschwächung ab, die sich zu Beginn von 2020 fortsetzen dürfte.

Erleichterung bei Anlegern treibt Evonik auf Hoch seit Sommer

Das dritte Quartal von Evonik ist am Dienstag bei den Anlegern auf sehr positives Feedback gestoßen. Entgegen erster vorbörslicher Tendenzen rücken die Papiere des Spezialchemiekonzerns im XETRA-Handel zuletzt um 3,83 Prozent auf 25,20 Euro vor und erreichten zwischenzeitlich ein Hoch seit dem Sommer. Im etwas schwächeren MDAX sind sie damit der Spitzenreiter.

Laut dem DZ-Bank-Analysten Peter Spengler hat Evonik im dritten Quartal die Erwartungen leicht übertroffen und den Ausblick auf das Gesamtjahr bestätigt. Laut Analystin Laura López Pineda von der Baader Bank hat dies wohl einige Anleger beruhigt, die bereits eine Gewinnwarnung befürchtet hätten. Die Autoflaute und niedrigere Ölpreise hinterlassen zwar bei dem Spezialchemiekonzern ihre Spuren, er versteht es aber, mit Kostensenkungen gegenzusteuern.

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