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Krypto-Rally 21.08.2026 22:27:00

79.000-Dollar-Marke geknackt: Ist das Bitcoins ersehnter Durchbruch? - Kryptoaktien Strategy, Coinbase und Co. profitieren

79.000-Dollar-Marke geknackt: Ist das Bitcoins ersehnter Durchbruch? - Kryptoaktien Strategy, Coinbase und Co. profitieren

  • Signale aus Washington entfesseln eine Kettenreaktion am Kryptomarkt
  • Technische Marken kippen von Widerständen zu neuen Unterstützungen
  • Die Geschichte kennt für Bitcoin nur zwei Richtungen, steil hoch oder tief runter

Der Bitcoin hat am Freitag seinen Höhenflug fortgesetzt und ist erstmals seit Mitte Mai über 79.000 US-Dollar gestiegen. Zuletzt fiel er mit 77.432 US-Dollar etwas zurück. Das sind rund sieben Prozent mehr als am Vortag. Der Bitcoin hat an den vergangenen Tagen einen Höhenflug hingelegt. So hat er am Mittwoch noch zeitweise unter 65.000 Dollar gelegen. "Der Dreiklang aus politischem Rückenwind aus Washington, einer Beruhigungspille für den US-Anleihemarkt und der sukzessiven Auflösung von Leerverkaufspositionen fungiert als Zünglein an der Waage", schreibt Timo Emden, Chefmarktanalyst bei Captrader.

Zudem gibt ein Krypto-Gipfel im Weißen Haus den Kursen Aufwind. Die Anleger hoffen auf weniger Regulierung. "Investoren versprechen sich in erster Linie mehr Klarheit über bestehende Regelwerke, sodass die Salonfähigkeit und damit die Adaption der Anlageklasse weiter vorangetrieben wird", schreibt Emden.

An den Terminmärkten hatten Investoren darüber hinaus auf sinkende Bitcoin-Kurse gewettet und große Verluste erlitten. Jetzt mussten sie diese Positionen wieder glattstellen. "Die dadurch ausgelöste Dynamik verstärkt das Aufwärtsmomentum deutlich", so Emden. "Anleger könnten schon bald die Marke von 80.000 Dollar ins Auge fassen."

Der Bitcoin liegt jedoch noch unter seinem Jahreshoch, dass er im Januar bei knapp 98.000 Dollar markiert hatte. Befürchtungen über Leitzinsanhebungen hatten zwischenzeitlich die Kursentwicklung beim Bitcoin gedämpft. Steigende Zinsen führen unter anderem zu höheren Finanzierungskosten und veranlassen einige Investoren dazu, Geld aus riskanten Anlageklassen wie dem Bitcoin abzuziehen. Hierzu trug die Ölpreisentwicklung bei.

Zuvor hatte sich der Bitcoin seit Juni in einer Spanne zwischen rund 58.000 und 66.803 US-Dollar bewegt, mit einem Sommertief bei 57.747,76 US-Dollar. Am Prognosemarkt Polymarket wird die Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin 2026 noch die Marke von 80.000 US-Dollar erreicht, mit 73 Prozent bewertet.

US-Regierung entfacht Short-Squeeze

Den Ausschlag für die Bitcoin-Rally gab am Mittwoch eine Ankündigung des US-Finanzministeriums: Das Volumen der Rückkaufaktionen für 10- bis 30-jährige US-Staatsanleihen soll sich von maximal zwei auf mindestens vier Milliarden US-Dollar pro Transaktion verdoppeln, die Käufe starten am 9. September. Die Rendite 30-jähriger Anleihen fiel daraufhin deutlich zurück, was den Bitcoin als zinsloses Investment für Anleger attraktiver machte. Ein zweiter Impuls kam aus dem Weißen Haus: Präsident Trump traf sich am selben Tag mit Führungskräften aus der Kryptobranche und forderte den Kongress zur Verabschiedung des CLARITY Act auf, über den im Senat im September eine Verfahrensabstimmung ansteht.

Diese Ereignisse lösten laut TradingKey binnen 24 Stunden netzwerkweite Liquidationen von mehreren Milliarden US-Dollar auf der Short-Seite aus. Allein bei Bitcoin wurden am Mittwoch laut Daten von CoinGlass Short-Positionen im Volumen von mehr als 2,75 Milliarden US-Dollar zwangsliquidiert. "Die Kursbewegungen am Kryptomarkt waren in den letzten Tagen so massiv, dass sie die zweitgrößte Short-Liquidation der Geschichte ausgelöst haben", ordnete Thomas Lee, Mitgründer und Forschungsleiter von Fundstrat, die Bewegung gegenüber CNBC ein. Zusätzlich flossen Bitcoin-ETFs im laufenden August Nettozuflüsse von rund 2,07 Milliarden US-Dollar zu, allein am Donnerstag waren es netto 606,29 Millionen US-Dollar, berichtet BTC ECHO.

Strategy-Aktie und Co. im Aufwind: Kryptoaktien profitieren

Die Aufbruchstimmung erfasste am Freitag auch Krypto-Aktien. Die Strategy-Aktie zeigte sich im NASDAQ-Handel am Freitag letztlich 6,1 Prozent höher bei 119,25 US-Dollar, Coinbase verzeichnete derweil deutliche Gewinne von 8,2 Prozent auf 186,49 US-Dollar und Robinhood zog um 13,7 Prozent auf 108,13 US-Dollar an.

Technisches Bild beim Bitcoin: Überkauft, aber mit neuen Haltemarken

Der Bitcoin hat am Freitag den 200-Tage-EMA zurückerobert, der bei 71.549 US-Dollar lag, und die Marke von 74.450 US-Dollar überwunden, die im April 2026 als Widerstand fungierte. Beide Niveaus gelten nun laut CryptoTicker als neue Unterstützungen. Der RSI sprang auf 83,05 Punkte und liegt damit deutlich im überkauften Bereich - als Schwelle gilt hier ein Wert von 70-, was auf eine überhitzte kurzfristige Dynamik hindeutet.

Als nächstes technisches Kursziel gilt laut CryptoTicker die Marke von 77.489 US-Dollar. Bei einem nachhaltigen Anstieg darüber würde die Marke von 82.850 US-Dollar zur nächsten Etappe. Kippt der Bitcoinkurs dagegen unter 74.450 US-Dollar, würde sich das bullische Szenario abschwächen, unterhalb des 200-Tage-EMA von 71.549 US-Dollar bräche es.

Was die Geschichte über den weiteren Kursverlauf des Bitcoin lehrt

Ein Blick zurück zeigt, dass die Kryptowährung schon häufiger große Einbrüche mit einer anschließenden Erholung erlebte, und nun seine Bodenbildung abgeschlossen haben könnte: So verlor der Bitcoin etwa 2011 rund 94 Prozent seines Wertes, brach 2018 innerhalb von etwa elf Monaten um 83 Prozent ein und büßte 2022 binnen eines Jahres 76 Prozent ein. Auf jeden dieser Einbrüche folgte jedoch eine kräftige Erholung: Nach dem Tief von rund 16.000 US-Dollar Ende 2022 stieg die Kryptowährung 2023 laut The Motley Fool um 156 Prozent und 2024 um weitere 121 Prozent und verbuchte somit zwei aufeinanderfolgende Jahre mit dreistelligen Renditen. Das bisherige Allzeithoch von 126.198,07 US-Dollar wurde am 6. Oktober 2025 markiert.

Historisch sind die Drawdowns laut The Motley Fool von Zyklus zu Zyklus kleiner geworden. So notierte der Bitcoin Anfang August "nur" noch rund 54 Prozent unter seinem Rekordhoch. Daher geht man dort davon aus, dass der Bitcoin seinen Tiefpunkt bereits erreicht haben dürfte und nun eine Erholung bevorsteht, warnt jedoch davor, dass diese voraussichtlich nicht gleichmäßig verlaufen werde. Der klassische Vier-Jahres-Zyklus mit drei starken Jahren und einem schwachen Jahr hat sich in der bisherigen Kursgeschichte wiederholt, wirkt für 2025 und 2026 aber zeitlich leicht verschoben. Bernstein vertrat daher laut Bloomberg bereits im Dezember 2025 die historisch eingeordnete These, dieser Zyklus sei gebrochen und Bitcoin befinde sich in einem verlängerten Bullenmarkt, in dem institutionelle Käufe Panikverkäufe von Privatanlegern ausgleichen würden.

Ob sich nun die aktuelle Rally weiter fortsetzen wird oder der überkaufte RSI-Wert zunächst für eine Verschnaufpause sorgt, dürfte sich an der Reaktion auf die anstehende Senatsabstimmung zum CLARITY Act im September sowie an der Entwicklung der ETF-Zuflüsse zeigen. Entscheidend bleibt technisch, ob Bitcoin die Marke von 74.450 US-Dollar als Unterstützung verteidigt oder darunter zurückfällt.

Carolin Ludwig, Julia Walter, Bettina Schneider, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.at mit Material von dpa-AFX

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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