Christian Scheid-Kolumne 11.06.2019 09:05:36

Wirecard - 3 mögliche Szenarien

Kolumne

Anleger, die in Wirecard investiert sind, brauchen starke Nerven. Nach der Veröffent-lichung des ersten Artikels in der Onlineausgabe der Financial Times (FT) Ende Jänner, der gravierende Vorwürfe der Bilanzmanipulation gegen den Zahlungs¬dienst¬leister enthielt, halbierte sich der Aktienkurs in kurzer Zeit. Danach kam es zu einem Rebound von in der Spitze fast 90 Prozent.

Seit Monaten wechseln sich Hiobsbotschaften und Jubelmeldungen ab. Für Beruhi-gung sorgte Wirecard vor allem mit der Vorlage der 2018er-Bilanz, der die Wirt¬schafts-prüfungsgesellschaft Ernst & Young ein uneingeschränktes Testat erteilte. Allerdings könnte es diesbezüglich aufgrund der noch laufenden Ermittlungen der Behörden in Singapur durchaus zu einer Neueinschätzung kommen. Für einen großen Kursschub sorgte zudem die Nachricht, wonach der japanische Softbank-Konzern via Wandelanleihe mit mehr als fünf Prozent bei Wirecard einsteigen will.

Dem stehen neue Berichte gegenüber, in denen Großteile des Umsatzes und Gewinns von Wirecard angezweifelt werden. Der Finanz-Blog finanz-szene.de hat aufgedeckt, dass die in Dubai ansässige Wirecard-Tochter 2018 für weit mehr als die Hälfte des Konzerngewinns gesorgt habe. Über einen Internet-Auftritt verfüge die Firma ebenso wenig wie über einen öffentlich einsehbaren Jahresabschluss. Zudem berichtete das Handelsblatt, dass Wirecard an betrügerischen Trading-Webseiten verdient haben soll. Die Aktie brach daraufhin bis auf fast 130 Euro ein. Zur anschließenden Erholung trugen die Stellungnahmen der Münchner auf ihrer Homepage sowie ein Tweet von Vorstandschef Markus Braun, dass Wirecard auf ein herausragendes erstes Halbjahr zusteuere, bei. Wie geht es nun weiter? Drei Szenarien sind denkbar.

1. Der Schlagabtausch geht weiter. Kurseinbrüche und Erholungen wechseln sich ab. In diesem Szenario, dem wir eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent einräumen, ist ein Inline-Optionsschein (ISIN DE000ST8W2D2) von Société Générale interes¬sant. Bleibt der Kurs bis Dezember 2019 zwischen 80 und 200 Euro, generiert der Schein einen Ertrag von 19 Prozent. Auch der StayLow-Optionsschein (ISIN DE000ST87T28) von Société Générale, mit dem wir darauf setzen, dass die Aktie kein neues Allzeithoch erreicht, bleibt interessant. Um die hohe Volatilität auszunutzen, kommen zudem Aktienanleihen in Betracht.

2. Die Vorwürfe erweisen sich als haltlos. Wirecard liefert weiterhin eindrucksvolle Wachstumszahlen, woraufhin Analysten mit Kaufempfehlungen und Kurszielanhebungen reagieren. In diesem Fall, für den wir eine Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent sehen, sind neue Höchstkurse nur eine Frage der Zeit. Mit einem Turbo (ISIN DE000UY27222) der UBS sind Anleger mit einem Hebel von 2,9 dabei.

3. Die Vorwürfe der Bilanzmanipulation bestätigen sich. Der Aktienkurs könnte weit unter die Tiefststände vom Februar abstürzen. Für diesen Fall, dem wir eine Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent einräumen, ist ein lang laufender Put (ISIN DE000ST9EY20) von Société Générale geeignet. Der Basispreis liegt bei 50 Euro, die Laufzeit endet im Juni 2021. Der Schein spielt seine volle Stärke aus, wenn die Wirecard-Aktie drastisch einbricht. Vorsicht: Bei Kursen über 50 Euro kommt es zum Totalverlust. Daher sollten Anleger nur wenig Kapital einsetzen.

Christian Scheid, Chefredakteur von Zertifikate Austria, begann sich Mitte der Neunziger Jahre für die internationalen Finanzmärkte zu begeistern. Nach seinem Abschluss zum Diplom-Volkswirt 1999 war er Redakteur und Ressortleiter beim Anlegermagazin "Börse Online". Seit 2006 ist er als Freier Wirtschafts- und Finanzjournalist selbstständig. Hier können Sie sich für den Gratis-Newsletter anmelden: Zertifikate Austria


Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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