| Makrotest |
30.10.2026 22:24:00
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Warum Matt Hougan Bitcoin in jedem Szenario vorne sieht
- Matt Hougan spielt drei Szenarien durch und sieht Bitcoin überall vorn
- Selbst ein Crash wie 2008 würde Bitcoin laut Bitwise-CIO Hougan am Ende nützen
- Hohe Inflation und der Zinsentscheid der Fed am Mittwoch testen die These
Matt Hougan, Investmentchef des Kryptovermögensverwalters Bitwise, sieht Bitcoin unabhängig vom Ausgang der großen Konjunkturfragen langfristig auf der Gewinnerseite. In seinem wöchentlichen Memo vom 14. Oktober, das er auch über X verbreitet, kommt er zu dem Schluss, dass praktisch jeder denkbare Pfad der Weltwirtschaft für die älteste Kryptowährung bei höheren Notierungen endet. Dabei trifft seine gewagte These auf einen von Zins- und Inflationssorgen geplagten Markt.
There are a lot of different paths for the economy. All of them lead to bitcoin. https://t.co/lukLJPDrcn
— Matt Hougan (@Matt_Hougan) October 14, 2026
Ein Kinderbuch als Kompass durch die Makrolage
Den Anstoß lieferten Fragen, die Hougan nach eigener Darstellung auf Konferenzen immer häufiger hört: Was passiert mit Bitcoin, wenn die Fed die Zinsen anhebt und damit eine Rezession auslöst, wenn die Inflation bei stabilen Zinsen anzieht, wenn die KI-Blase platzt oder wenn künstliche Intelligenz grenzenlosen Wohlstand schafft? Die Bandbreite möglicher Ausgänge sei lähmend und die größte seiner Laufbahn, schreibt Hougan. Seine Antwort entlehnt er den Abenteuerbüchern der Reihe "Choose Your Own Adventure", in denen Leser an jeder Weggabelung selbst entscheiden. Mitunter hätten die Autoren dabei getrickst: Ob links oder rechts, am Ende landete man auf derselben Seite. Genau diesen Effekt sieht er bei Bitcoin und spielt deshalb drei Pfade für die Entwicklung der KI konsequent bis zum Ende durch.
Bitcoin im KI-Boom und in der Seitwärtsphase
Im ersten Szenario beschert KI der Welt eine Ära des Überflusses. Produktivität und Wirtschaftsleistung schnellen nach oben, und alles, was überwiegend auf Intelligenz beruht, von Software über Rechtsberatung bis zur medizinischen Diagnostik, wird sehr günstig. Gerade dieser Überfluss spielt nach Hougans Lesart der Knappheit in die Hände. Der Wert wandere dann zu dem, was sich nicht beliebig vervielfältigen lässt: Grundstücke am Wasser, große Kunst, Gold und eben auch Bitcoin. Aus Anlegersicht wäre dieser Pfad damit der angenehmste, denn er käme ohne den Umweg über eine Krise aus.
Deutlich unspektakulärer fällt das dritte Szenario aus. Die Wirtschaft wächst um rund drei Prozent, die Zinsen liegen bei etwa vier Prozent, KI sorgt für etwas Zusatzwachstum, und die KI-Schulden werden bedient. Bitcoin gewinne in dieser Welt schlicht dadurch, dass er da sei, schreibt Hougan: getragen von Zuflüssen in ETFs, wachsender Akzeptanz bei Vermögensberatern, Käufen von Unternehmen und Staaten sowie einer ungebremst steigenden Staatsverschuldung. Dass zumindest der Weg über ETFs funktioniert, zeigen Zahlen, über die Be(in)Crypto berichtet: Demnach flossen den in den USA gehandelten ETFs auf Bitcoin allein im dritten Quartal 2026 netto rund sechs Milliarden US-Dollar zu, nachdem zuvor über viele Monate Abflüsse dominiert hatten.
Im Crash setzt Hougan auf die Notenpresse
Am meisten Sprengkraft birgt jedoch das zweite Szenario, das Platzen der KI-Blase. Wachstumswerte brechen ein, die Weltwirtschaft rutscht in die Rezession, Kreditnehmer aus dem Rechenzentrumsbau fallen aus und Versicherer mit milliardenschweren KI-Anleihen geraten unter Druck. Hougan spricht von einer Neuauflage der Finanzkrise von 2008. Bitcoin würde zunächst mit anderen Risikoanlagen fallen, räumt er ein. Danach aber folgten Zinssenkungen, eine Ausweitung der Notenbankbilanzen und ein Rettungspaket, das angesichts der größten Infrastrukturinvestition der US-Geschichte ebenfalls das größte würde. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Eingriffs schätzt er auf nahezu 100 Prozent. Die Geldmenge schwölle an, und Bitcoin würde kräftig zulegen.
Wie eng Konjunktur und KI-Ausbau verflochten sind, unterstrich zuletzt ein Schwergewicht der Finanzbranche. Larry Fink, Chef von BlackRock, warnte am 14. Oktober im Interview mit CNBC, schon ein Baustopp für Rechenzentren würde die USA in die Rezession schicken. Hougans Rettungsszenario bleibt dennoch eine Annahme. Ob Regierung und Notenbank bei erhöhter Inflation ebenso beherzt eingreifen wie 2008 oder 2020, ist keineswegs ausgemacht.
Wo Hougans Optimismus für Bitcoin an Grenzen stößt: Wissenswertes für Anleger
Auf die Zinspolitik überträgt Hougan dieselbe Logik. Hebt die Fed die Zinsen kräftig an und löst eine Rezession aus, dürfte der Staat eingreifen. Verzichtet sie auf Erhöhungen und die Inflation läuft heiß, würden Anleger Bitcoin als Wertspeicher entdecken. Wie real zumindest der Inflationsdruck ist, zeigten die Mitte Oktober veröffentlichten Septemberdaten: Die Verbraucherpreise lagen in den USA 3,7 Prozent über dem Vorjahresniveau und damit weit über dem Inflationsziel der Fed von 2 Prozent. Die am Terminmarkt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung nach dem Schritt im September sprang daraufhin auf über 60 Prozent. Laut CME FedWatch Tool lag die Wahrscheinlichkeit am Montag nur noch bei rund 9 Prozent.
Einen Freifahrtschein stellt Hougan Anlegern trotzdem nicht aus. Bitcoin werde nicht geradlinig steigen, in mehreren der durchgespielten Welten drohe zunächst eine Durststrecke. Als Beispiel nennt er den Pandemieschock Anfang 2020, als Bitcoin binnen Tagen die Hälfte seines Werts einbüßte, bevor der Kurs auf etwa das 20-Fache stieg. Zudem könne die Kernthese aus Gründen scheitern, die mit der Makrolage nichts zu tun haben. Quantencomputer könnten ältere Wallets angreifbar machen, Regierungen weltweit koordiniert gegen Kryptowährungen vorgehen oder westliche Staaten zu Sparsamkeit und solider Geldpolitik zurückkehren. Hougan hält das für unwahrscheinlich, aber nicht für ausgeschlossen.
Ein erster Härtest für Hougans These folgt bereits am morgigen Mittwoch, wenn die Fed über den Leitzins entscheidet. Eine Zinserhöhung inmitten anziehender Inflation würde zeigen, ob Bitcoin kurzfristig eher wie eine Risikoanlage handelt oder wie der Wertspeicher, den Hougan in ihm sieht.
Benedict Kurschat, Redaktion Finanzen.at
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