Konjunkturflaute 08.11.2023 17:56:00

voestalpine-Aktie schließt im Minus: voestalpine muss im ersten Halbjahr 2023/24 einen deutlichen Gewinnrückgang verkraften

voestalpine-Aktie schließt im Minus: voestalpine muss im ersten Halbjahr 2023/24 einen deutlichen Gewinnrückgang verkraften

Der Gewinn nach Steuern hat sich gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr von 715 auf 333 Mio. Euro mehr als halbiert, wie das Unternehmen am Mittwoch bekanntgab. Der Umsatz ging um 8,4 Prozent auf 8,5 Mrd. Euro zurück. Mit einem Warnstreik am Firmensitz in Linz verlieh die Belegschaft in der Früh ihrer Forderung nach massiven KV-Erhöhungen Nachdruck.

Die schlechte Konjunktur und die hohe Inflation belasten auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die bisherigen Verhandlungsrunden um den neuen Metaller-Kollektivvertrag haben aber vorerst keine Einigung gebracht. Die Lage spitzt sich zu.

"Bei uns fand heute in der Früh ein Warnstreik statt, er ist bereits seit zwei Stunden wieder aufgelöst und der Betrieb läuft ganz normal", berichtete CEO Herbert Eibensteiner gleich zu Beginn der heutigen Pressekonferenz. Die Voestler hatten in der Früh für Staus in der oberösterreichischen Landeshauptstadt gesorgt.

Der Konzernchef wollte die laufenden KV-Verhandlungen "nicht im Detail kommentieren", er gehe aber davon aus, dass "intensiv verhandelt" werde und beide Vertragspartner zu einer vernünftigen Lösung kommen würden. Gefordert ist ein Lohn- und Gehaltsplus von 11,6 Prozent. "Wir haben etwa 2 Milliarden Personalkosten in Österreich - da kann man sich ausrechnen, wie viel das kosten würde, 10 Prozent wären 200 Millionen", rechnete Eibensteiner auf Anfrage vor, wollte sich aber ansonsten nur auf die Halbjahresbilanz konzentrieren.

"Das aktuelle Ergebnis liegt im langjährigen Durchschnitt und ist im Hinblick auf die derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durchaus zufriedenstellend", relativierte Eibensteiner den Gewinneinbruch. Zudem hätten die Vergleichswerte aus dem Vorjahreszeitraum "Rekordwerte dargestellt", strich er ebenso hervor wie Finanzvorstand Robert Ottel, der dem Konzern nach 20 Jahren im Vorstand nur noch bis zum Ende des Geschäftsjahres 2023/24 zur Verfügung steht. Per 1. April 2024 übernimmt die Finanzen Gerald Mayer, zuletzt 16 Jahre lang Vorstand des Aluminiumkonzerns AMAG. Wohin es Ottel verschlägt, konnte der 56-Jährige noch nicht mitteilen.

Das erste Geschäftshalbjahr verlief für die voestalpine durchwachsen: "Wir haben positive Kundensegmente vorgefunden und auch rückläufige Nachfrage in einigen Sektoren", so Eibensteiner. Für die voestalpine sei es "strategisch relevant", in verschiedenen Kundensegmenten tätig und international breit aufgestellt zu sein, sagte der Konzernchef. Und auch die Ausrichtung auf hochqualitative Produkte "hat uns sehr gut unterstützt".

Mit dem Start von greentec steel, "dem ambitionierten Stufenplan der voestalpine für eine grüne Stahlproduktion", sei jüngst ein wichtiger Schritt für die Zukunftsfähigkeit des Konzerns erfolgt. Bis 2027 sollen an den Standorten Linz und Donawitz je ein Hochofen durch einen grünstrombetriebenen Elektrolichtbogenofen ersetzt und damit 30 Prozent an CO2-Emissionen eingespart werden. Einen weiteren Meilenstein für die Zukunft habe zudem die offizielle Eröffnung des neuen Hightech-Edelstahlwerks in Kapfenberg dargestellt.

Doch insbesondere in Europa habe die wirtschaftliche Dynamik im Berichtszeitraum abgenommen, so das Management. Die voestalpine habe dadurch eine rückläufige Nachfrage aus den Segmenten Bau, Maschinenbau und Konsumgüterindustrie verzeichnet. Exporte chinesischer Stahlhersteller hätten zudem zu "massivem Druck auf die internationalen Stahlmärkte" geführt.

Es gab auch positive Entwicklungen: In der Automobilindustrie habe sich die Entspannung der globalen Lieferkettensituation in einer stabilen Produktion widergespiegelt. Auch die Eisenbahn- und Luftfahrtindustrie, der konventionelle Energiebereich (Öl & Gas) sowie der Bereich erneuerbare Energie (Solarindustrie) hätten sich gegen den gesamtwirtschaftlichen Trend weiterhin "sehr gut entwickelt". Eine ebenfalls positive Nachfrage habe auch bei der Lagertechnik geherrscht.

Verbessert hat sich auch das Gearing: Die Nettoverschuldung in Relation zum Eigenkapital sank von 32,7 auf 26,6 Prozent. "Der Zinsaufwand hat sich nahezu verdoppelt", sagte Ottel. "In den vergangenen vier Jahren haben wir große Anstrengungen unternommen, um die Schuldenlast zu reduzieren." Und das sei auch gelungen - sie sei auf ein Drittel gesenkt worden. "Das war notwendig, um uns auf einen Zinsanstieg vorzubereiten." Gleichzeitig sei das Eigenkapital auf einen Rekordwert von nunmehr 7,8 Mrd. Euro gestiegen.

Unter dem Strich erhöhte sich die Zahl der Beschäftigten im Konzern in der Berichtsperiode um 1,7 Prozent auf 51.212 Vollzeitäquivalente weltweit. Sicher sind die Jobs keinesfalls: "Wir reagieren natürlich auf die aktuelle Situation und passen die Mitarbeiterzahlen dem Geschäft an", sagte Eibensteiner. Es gebe Bereiche, wo die Voest Mitarbeiter aufbaue, welche, wo sie abbaue. "Wir haben Leihpersonal und Überstundenkontingente, die wir in diesem Fall herunterfahren." Das sei "ein ganz normaler Rhythmus in Österreich und auch in den internationalen Märkten".

An der Prognose für das gesamte Fiskaljahr 2023/24 (per Ende März) hält der Vorstand - mit leicht zurückgenommenen Erwartungen - fest: "Wir haben diese gedämpfte Nachfrage im Bau, im Maschinenbau und in der Konsumgüterindustrie erwartet und das wird auch so bleiben", räumte der Konzernchef ein. "Wir haben auch gesehen, dass die Vorschau für Europa doch etwas schwächer sein wird."

Das Management rechnet nun mit einem EBITDA "am unteren Ende der bisher genannten Bandbreite" (1,7 bis 1,9 Mrd. Euro) und "somit in einem Bereich um die 1,7 Milliarden" - "unter der Voraussetzung, dass es nicht zu unerwarteten wirtschaftlichen Verwerfungen kommt", schloss Eibensteiner.

An der Wiener Börse verlor die voestalpine-Aktie nach einem wechselhaften Handelsverlauf letztlich 0,25 Prozent auf 24,04 Euro.

APA

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Bildquelle: voestalpine AG