Anleger zu pessimistisch 10.01.2022 23:59:00

JPMorgan-Analysten erwarten keinen großen Ausverkauf an den Börsen

JPMorgan-Analysten erwarten keinen großen Ausverkauf an den Börsen

• Breite der Rally am Aktienmarkt hat sich deutlich verringert
• Entwicklung löst Alarm bei Anlegern aus
• Strategen erwarten dennoch keinen großen Ausverkauf


In einer Kundenmitteilung schrieben die Strategen von JPMorgan, wie Bloomberg berichtet: "Die Bedingungen für einen großen Ausverkauf sind derzeit nicht gegeben, da die Anleger bereits eine geringe Positionierung, Rekordrückkäufe, begrenzte systematische Verstärker und positive Saisonzeiten im Januar haben". Die Strategen um Dubravko Lakos-Bujas erklärten, dass die Positionierung der Anleger derzeit zu pessimistisch sei und der Markt die hawkishe Zentralbank und die bearishen Omikron-Narrative zu weit getrieben habe.

Vorsicht geboten - aber kein drohender Ausverkauf

Die Rally an den US-Aktienmärkten sei zuletzt von einer kleinen Gruppe von Mega-Cap-Unternehmen angetrieben worden. Dies erinnere an die Blase bei Technologieaktien Anfang der 2000er. Jetzt wo die Zentralbanken und Regierungen ihre Konjunkturmaßnahmen zurücknehmen und die wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Krise ihren Höhepunkt überschritten habe, hätten einige Fondsmanager davor gewarnt, dass die nächste Phase des Zyklus eine Korrektur sei, so Bloomberg.

Für die JPMorgan-Strategen sei die "extreme Aktienstreuung und Rekordkonzentration innerhalb der Aktien" jedoch eher ein Indikator für viel Vorsicht als für einen drohenden Ausverkauf. Anleger behandelten Mega-Caps wie sichere Häfen oder "Pseudo-Anleihen", gibt Bloomberg die Strategen wieder. Laut den Experten biete der Rückgang bei kleineren Unternehmen, da sich die Inflation normalisiere und die Besorgnis über die falkenartige Fed nachlasse, den Anlegern eine attraktive Einstiegschance für Reopening-Aktien, wie zum Beispiel aus der Reisebranche, dem Gastgewerbe oder dem Energie- und E-Commerce-Sektor.

"Ansteigende Konzentration ist kein verlässlicher Indikator für Marktspitzen", zitiert Bloomberg die Strategen von JPMorgan. "Die größten S&P 500-Unternehmen haben derzeit eine nachgewiesene Erfolgsbilanz in Bezug auf organisches Wachstum, höhere Preissetzungsmacht und überragende Kapitalrendite."

Auch Goldman Sachs-Strategen sehen keinen Grund zur Sorge

Mit ihrem bullishen Ausblick stehen die JPMorgan-Strategen nicht alleine da: Anfang Dezember erklärten laut Bloomberg auch die Strategen der US-Großbank Goldman Sachs, dass die Einengung der Rally nicht auf einen bevorstehenden großen Rückgang hinweise.

Der Unterschied zwischen der anfänglichen Erholung nach der Pandemie und den jüngsten Zuwächsen bestehe Goldman Sachs zufolge darin, dass sich die Breite der Rally deutlich verringert habe, was laut den Strategen Alarm ausgelöst habe. Seit April seien es nur fünf Aktien, die 51 Prozent der Renditen der US-Benchmark ausmachten, so die Strategen von Goldman um David Kostin in einer Kundenmitteilung. Diese fünf Aktien - Apple, Microsoft, Alphabet, NVIDIA und Tesla - machten laut den Strategen zusammen mehr als ein Drittel der Renditen 2021 und mehr als ein Fünftel der gesamten Marktkapitalisierung aus. "Nach Perioden mit stark abnehmender Marktbreite - ähnlich der jüngsten Erfahrung - zeigten Aktien historisch überdurchschnittliche Renditen und stärkere Drawdowns", zitiert Bloomberg die Strategen.

Mit Blick auf die Zukunft gebe es jedoch nur wenige Gründe, warum sich die Geschichte dieses Mal wiederholen sollte: "Das makroökonomische Umfeld deutet nicht darauf hin, dass das Drawdown-Risiko in den kommenden Monaten erhöht wird", betonten die Strategen und wiesen darauf hin, dass Gewinne und Margen weiterhin die Erwartungen überträfen und ein geringes Rezessionsrisiko als auch die Aktienkurse bereits die wahrscheinliche Straffung der Fed widerspiegelten.

"Nominal- und Realzinsen werden voraussichtlich steigen, aber in den kommenden Monaten niedrig bleiben, was den Hintergrund sowohl für die Bewertung als auch für die Aktiennachfrage stützt", erklärten die Strategen und empfahlen Anlegern, Aktien mit hohem Wachstum und hohen Margen zu besitzen.

Redaktion finanzen.at

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