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Krisenprofiteur 13.10.2020 22:06:00

Durch Corona im Anlegerfokus: So steht BioNTech ein Jahr nach dem Börsengang da

Durch Corona im Anlegerfokus: So steht BioNTech ein Jahr nach dem Börsengang da

• BioNTech mit durchwachsenem Börsendebüt
• Corona-Pandemie katapultiert Unternehmen ins Rampenlicht
• Breites Portfolio sorgt für glänzende Zukunftsaussichten

Es ist mittlerweile fast genau ein Jahr her, dass das Biotechnologie-Unternehmen BioNTech sein Börsendebüt absolvierte. Seither ist viel passiert. Dabei hat sich insbesondere die globale Corona-Pandemie als wegweisend für das Mainzer Unternehmen erwiesen. Wo viele anderen Firmen herbe Einschnitte hinnehmen mussten, tat sich für das Forschungsunternehmen eine große Chance auf - die die Biotech-Firma zu nutzen wusste.

Von der Krebsforschung zum Corona-Hoffnungsträger

Eigentlich ist BioNTech auf individualisierte Krebstherapie-Forschung spezialisiert. Mit der Vision, jeden Krebspatienten mit einer auf ihn zugeschnittenen Therapie behandeln zu können, wurde das Unternehmen im Jahr 2008 von Ugur Sahin, Christoph Huber und Özlem Türeci gegründet. Dabei verfolgen die Biotechnologen jedoch einen neuen Ansatz: Die Immunabwehr des Patienten soll mithilfe der mRNS-Technologie so verändert werden, dass die natürliche Abwehr den Krebs von innen selbst bekämpft. Das gleiche Prinzip findet auch bei Infektionskrankheiten wie beispielsweise der Grippe oder HIV Anwendung - oder auch Corona.

Nachdem die Corona-Krise immer größere Ausmaße annahm und der Ruf nach einer Impfung weltweit immer lauter wurde, hat sich auch BioNTech der Suche nach einem Impfstoff verschrieben: "Wir empfinden es als eine Pflicht unsere Technologie und Immunotherapie-Expertise auszunutzen, um dabei zu helfen, den Notstand durch die COVID-19-Pandemie anzugehen. Unser Ziel ist klar: Eine potenzielle Impfung für die Öffentlichkeit so schnell wie möglich zugänglich machen - weltweit", so BioNTech-CEO Ugur Sahin auf der Unternehmenswebseite.

BioNTech-IPO im Oktober 2019 mit mäßigem Erfolg

Es ist diese Forschung an einem Corona-Impfstoff, die das Mainzer Unternehmen in kürzester Zeit aufs Radar von Anlegern brachte. Denn während mittlerweile niemand mehr beim Thema Biotechnologie um BioNTech herum kommt, sah das beim IPO im Oktober 2019 noch etwas anders aus.

Am 10.10.2019 wagten die Krebsforscher den Sprung aufs Börsenparkett. Dafür wählten sie trotz ihrer Verankerung in Deutschland die US-Technologiebörse Nasdaq. Der Börsengang selbst fiel durchwachsen aus: Während das Unternehmen im Vorfeld geplant hatte, insgesamt 13,2 Millionen Aktien mit einer Spanne von 18 bis 20 US-Dollar zu platzieren, konnten letztlich nur 10 Millionen Papiere zu je 15 Dollar an Anleger verteilt werden. Damit erreichte die Biotech-Firma eine Bewertung von 3,4 Milliarden US-Dollar. Einsammeln konnte das Unternehmen insgesamt 149 Millionen Dollar.

Der erste Handelstag des BioNTech-Anteilsscheins lief ebenfalls durchwachsen. Die Tagesrange lag zwischen 13,01 US-Dollar und 16,70 US-Dollar. Aus dem Handel ging das Papier letztlich bei 14,24 US-Dollar und damit 13,7 Prozent unter dem Erstpreis, der bei 16,50 US-Dollar lag. Doch von solchen Preisen können interessierte Anleger heute nur träumen. Denn das Eintreten in den Wettlauf um einen Corona-Impfstoff hat der Aktie eine rasante Rally beschert.

Seit Jahresbeginn vermochte es der BioNTech-Anteilsschein bisher satte 159,59 Prozent zuzulegen. Von seinem Ausgabepreis hat sich das Papier sogar mittlerweile 486,33 Prozent entfernt (Stand ist der Schlusskurs vom 8. Oktober 2020).

Corona ändert alles

Doch nicht nur für die Aktie hat sich das Jahr seit dem Börsengang bisher als voller Erfolg erwiesen. Seit dem IPO konnte BioNTech auch viele lukrative Partnerschaften eingehen. So verstärkte sich das Biotech-Unternehmen im Januar mit dem US-Krebsspezialisten Neon Therapeutics, um seine T-Zellen-Therapie weiter auszubauen.

Im März erklärte BioNTech erstmals, mit dem chinesischen Partner Fosun Pharma an einem COVID-19-Impftstoff zu arbeiten. Die Meldung ließ den Anteilsschein letztlich knapp 30 Prozent in die Höhe schießen.

Wenig später folgte dann schon die Ankündigung mit dem US-Pharmariesen Pfizer enger zusammenarbeiten zu wollen, um die Corona-Impfstoffforschung weiter voranzutreiben. Anfang September verkündeten die Mainzer eine Vereinbarung mit dem deutschen Arzneimittelhersteller Dermapharm, der für BioNTech seine Produktionskapazitäten bereitstellen soll, wenn der Corona-Impfstoff entwickelt wurde. Mitte September verstärkten sich die Krebsforscher dann mit einem weiteren Zukauf. Sie kauften dem Schweizer Pharmaschwergewicht Novartis eine Produktionsstätte in Marburg ab, um wiederum die Produktionskapazitäten auszuweiten.

Wichtige Meilensteine geben Rückenwind

Neben den Kooperationen gab es auch zu verschiedenen Studien der Krebsforschers immer wieder wichtige Meilensteine zu verzeichnen. So vermeldete BioNTech erst vor wenigen Tagen, dass es einer möglichen Marktzulassung des Hoffnungswirkstoffes BNT162b2 in Europa immer näher komme. Hier sei das sogenannte Rolling-Review-Verfahren mittlerweile eingeleitet worden. Zuvor waren ermutigende vorläufige Daten in vor- und frühen klinischen Studien verzeichnet worden. Sollte die Wirksamkeit des Stoffes mit genügend Daten belegt werden können, sei es möglich, schon vor Ablauf der üblichen ein oder zwei Jahre eine Zulassung unter Auflagen zu erreichen, wie die dpa berichtete.

Auch die Europäische Union erkannte das Potenzial des Mainzer Unternehmens und sicherte ihm einen Kredit in Höhe von 100 Millionen Euro zu. Die Mittel sollen laut BioNTech dazu eingesetzt werden, die eigenen Produktkapazitäten zu erweitern. Vom Bund soll das Biotech-Unternehmen im Rahmen eines Sonderprogramms noch einmal 375 Millionen Euro erhalten, um die Finanzierung der Impfstoffentwicklung zu beschleunigen.

Breites Portfolio dürfte glänzende Zukunft sichern

Doch BioNTechs Stärke besteht nicht allein in den Fortschritten zum Corona-Impfstoff. Denn mit den von der Pandemie profitierenden Biotech-Unternehmen ist es so eine Sache. Schaffen sie es tatsächlich den Wettlauf um die Suche nach einem potenten Wirkstoff für sich zu entscheiden, dürfte es steil bergauf gehen. Doch genauso tief können die Hoffnungsträger auch fallen, wenn sich ein Konkurrent vor ihnen ins Ziel schiebt. Hier bestechen die Mainzer mit einem breiten Portfolio. Denn wie bereits erwähnt, zwar hat sich die Forschungsfirma dem Kampf gegen Corona angeschlossen, das ist jedoch nicht das einzige Eisen, dass Sahin und sein Team im Feuer haben. Schließlich ist BioNTech vor allem auf die Behandlung von Krebserkrankungen spezialisiert. Allerdings weiß das Mainzer Unternehmen die neu gewonnene Aufmerksamkeit für sich zu nutzen, wie man an den zahlreichen Partnerschaften sieht, die mittlerweile eingegangen wurden und die sich auch sicher noch nach der Krise als nützlich erweisen werden.

Martina Köhler / Redaktion finanzen.at

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Bildquelle: Thomas Lohnes/Getty Images