Kollaps voraus 14.03.2019 21:11:00

Tesla-Shortseller äußert massive Bedenken: Der Autobauer ist verloren

Tesla-Shortseller äußert massive Bedenken: Der Autobauer ist verloren

Spiegel: Elon Musk ist unmoralisch

US-Investor Mark Spiegel äußerte im Gespräch mit FOCUS-MONEY seine Bedenken gegenüber Teslas weiterem Erfolg und übte harte Kritik, insbesondere an CEO Elon Musk. Das Wirtschaftsmagazin sprach den Tesla-Kritiker auf seine langjährige Tätigkeit als Shortseller des Autobauers sowie auf die Tatsache, dass einige dies als unmoralisch ansähen, an. Spiegel konterte, Elon Musk sei der "wahrscheinlich unmoralischste CEO", den er je gesehen habe. "Er wirft gefährliche Autos mit aus meiner Sicht ungetesteten 'Autopiloten' auf die Straße, er manipuliert für mich Aktienkurse; und dieser 'Umweltschützer' benutzt fortlaufend seinen Privatjet, selbst für kurze Distanzen", kritisierte Spiegel.

Der Tesla-Kritiker zeigte sich im Interview überzeugt, dass seine Tätigkeit als Shortseller gut und hilfreich sei. Denn er warne vor Problemen mit der Aktie. "Für mich ist seit Jahren klar, dass sie extrem überbewertet ist", insbesondere potenzielle Käufer hat er dabei im Visier. "Die können das zur Kenntnis nehmen oder nicht, jedenfalls weiß jeder, worauf er sich einlässt", so Spiegel. Zudem weise er Regulierungsbehörden auf Sicherheitsprobleme mit den Autos hin, vor allem der Autopilot steht dabei im Fokus.

Spiegel: Die SEC ist bereit, wenn Tesla auseinander fliegt

Daneben sprach FOCUS den Tesla-Kritiker auf seinen Vorwurf an, Musk führe die Märkte in die Irre. Ein CEO dürfe Aussagen nur nach bestem Gewissen tätigen, erwiderte Spiegel darauf. Als CEO dürfe man "im Rahmen einer Prognose bestimmte Marktbewegungen vorhersagen, die in die Kategorie 'Safe Harbor' fallen". Musk allerdings überschreite die Grenzen, ist sich der Shortseller sicher und erinnert an die Ankündigung des Tesla-CEOs, den Autobauer bei einem Kurs von 420 US-Dollar pro Aktie von der Börse nehmen zu wollen. Während andere deutlich schlimmere Strafen erwartet hätten, sei Musk glimpflich davongekommen, denn der Aufsichtsrat habe eine "Heidenangst" vor dem CEO, erklärte Spiegel.

Auf die Frage, warum die US-Börsenaufsicht SEC noch nicht durchgegriffen habe, erwidert er: "Ich glaube, die SEC will nicht die Nadel sein, die in diesen Ballon hineinsticht". "Die Börsenaufsicht ist nicht daran interessiert, den Sündenbock zu spielen, aber sie steht bereit, wenn das Unternehmen auseinanderfliegt", und die Chancen dafür stünden nicht schlecht, ergänzte Spiegel.

"Eines Tages wird das alles kollabieren", warnt der Kritiker mit Blick sowohl auf Tesla, als auch auf SpaceX und die Boring Company, die er zuvor als "weiteres, finanzielles Grab" bezeichnete.

Seit rund fünf Jahren Wette auf fallende Kurse

Spiegels "persönliches Damaskus-Erlebnis" sei im Jahr 2014 gewesen. Musk habe damals behauptet, alle gebauten Autos seien verkauft - kurze Zeit später wurde jedoch bekannt, dass 3.000 Wagen noch auf Halde stünden. "Da habe ich gemerkt, dass es sich nicht nur um eine völlig überbewertete Autofirma handelt, sondern dass der CEO ein Lügner ist. […] Er hat die Bluffing-Mentalität eines Zehnjährigen, der Poker spielt, und hält sich dabei für extrem clever".

Auch von den Fahrzeugen Teslas hält Spiegel nicht sonderlich viel. "Musk war clever. Er war der Erste, der ein flottes Elektroauto gebaut hat", erwidert der Shortseller auf die Aussage von FOCUS-MONEY: "Sie müssen aber doch zugeben, dass die Tesla-Fahrzeuge ein Erfolg sind". "Doch die Deutschen werden es jetzt viel besser machen, mit höherer Qualität und Zuverlässigkeit und einem viel schöneren Interieur", zeigte sich Spiegel überzeugt.

Spiegel: Tesla ist nicht mehr zu retten

Der Zukunft des US-amerikanischen Autobauers blickt Spiegel alles andere als rosig entgegen. Auf die Frage, ob Tesla ohne Elon Musk noch gerettet werden könnte, antwortete der Kritiker, dafür sei es wohl zu spät. Musk habe eine wirklich gute Marke aufgebaut, diese dann aber durch schlechte Qualität und schlechten Service beschädigt. "Er hatte sein Fenster, und wenn er weniger ambitioniert und etwas vorsichtiger gewesen wäre, hätte er eine schöne, profitable Autofirma aufbauen und wachsen lassen können", so Spiegel. Die Zukunft gehöre nun aber den deutschen Autobauern.

Für Teslas Zukunft stellte sich Spiegel zwei mögliche Szenarien vor: "Entweder marschiert eines Tages das Department of Justice ein, Musk wird in Handschellen abgeführt, und die Firma ist am nächsten Tag bankrott. Im zweiten Szenario holt die Firma weiterhin genug Geld herein, um die Lichter anzulassen, wobei die Umstände immer hässlicher werden und die Aktie schrittweise abschmiert". So oder so wird der Elektroautobauer langfristig nicht bestehen können, da ist sich der wohl bekannteste Tesla-Shortseller sicher. Er setzt inzwischen seit rund fünf Jahren auf fallende Kurse, nun werde es langsam sehr eng für Tesla. "Und je länger es noch geht, desto schlimmer wird der Absturz".

Redaktion finanzen.at

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