Turbulentes Jahr 2020: Die Achterbahnfahrt von Tesla-Konkurrent Nikola | 04.01.21 | finanzen.at

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Der Fall des Börsenstars 04.01.2021 21:46:00

Turbulentes Jahr 2020: Die Achterbahnfahrt von Tesla-Konkurrent Nikola

Turbulentes Jahr 2020: Die Achterbahnfahrt von Tesla-Konkurrent Nikola

• Nikola mit turbulentem Börsenjahr
• Vom gefeierten Tesla-Jäger zum Betrugskonzern
• Imageschaden irreparabel?


Der Elektroautobauer Tesla euphorisiert seit Jahren die Anleger. Doch viele Marktteilnehmer haben den richtigen Einstiegszeitpunkt verpasst - allein in diesem Jahr hat die Tesla-Aktie mehr als 700 Prozent zugelegt. Günstige Kaufkurse gab es aber auch in den vergangenen Jahren nur selten. Entsprechend lauern viele Investoren auf eine neue Chance im Zukunftsmarkt für alternative Fahrzeugantriebe, zahlreiche Marktteilnehmer meinten diese in dem Elektrotruckhersteller Nikola gefunden zu haben.

Nähe zu Tesla bewusst gesucht

Diese Einschätzung kam nicht von ungefähr, denn Nikola bediente sich offensichtlich und bewusst der Nähe zum Musk-Konzern. So wurde der Name "Nikola" bewusst gewählt, schließlich ist es der Vorname des Erfinders, Physikers und Elektroingenieurs Tesla, der seinerseits Namensgeber für den Elektroautopionier wurde.

Und auch das Geschäftsfeld ähnelt sich augenscheinlich: Wie Tesla ist auch Nikola im Elektrosegment angesiedelt, konzentriert sich dort aber auf den Bau von strombetriebenen Lastwagen und greift dabei den von Tesla geplanten Semi Truck direkt an. Mittelfristig will das Unternehmen aber in Richtung Brennstoffzellentechnologie gehen, die Trucks von Nikola sollen mit Wasserstoff angetrieben werden.

Hier enden die Gemeinsamkeiten noch nicht - wie Tesla hat auch Nikola auf einen charismatischen Firmenlenker gesetzt: Der Elon Musk von Nikola hieß Trevor Milton und wurde von Anlegern ähnlich wie der Tesla-Chef für seine unkonventionelle Macher-Art gefeiert. Dass der Nikola-Börsengang vor diesem Hintergrund ein Erfolg werden würde, war nur für wenige Marktbeobachter eine Überraschung. Tatsächlich nahm das Unternehmen im Sommer 2020 zwar einen Umweg an die Börse und feierte sein IPO durch eine Fusion mit einer börsennotierten Firma namens VectoIQ, dem Erfolg des Börsenlistings tat dieser Deal aber keinen Abbruch: Bei 37,55 US-Dollar gestartet schoss die Nikola-Aktie bereits nach wenigen Tagen auf 93,99 US-Dollar und verdreifachte ihren Wert damit fast.

Der Tesla-Konkurrent war mit Vollgas an die Börse gefahren, doch die Folgemonate sorgten für eine massive Berg- und Talfahrt, an deren Ende die Aktie nun nur noch ein Drittel des Preises wert ist, zu dem sie am ersten Handelstag gestartet war.

Betrugsvorwürfe werfen Nikola aus der Bahn

Zunächst hielten Anleger dem Unternehmen aber weiter die Treue, auch wenn sich in Wochen nach dem erfolgreichen Börsengang bereits starke Schwankungen bei der Nikola-Aktie bemerkbar machten. Doch der Elektro-Truck-Hersteller hatte im September gute Nachrichten zu verkünden: Mit dem US-Traditionsautobauer General Motors wurde ein starker Partner an Bord geholt. Elf Prozent der Nikola-Anteile sollte der Fahrzeughersteller übernehmen und im Gegenzug ein Mitglied in den Nikola-Aufsichtsrat entsenden.
Am Markt wurde die Partnerschaft gefeiert, zeigte sie doch, dass auch ein Traditionskonzern wie General Motors, der bislang auf herkömmliche Antriebsformen fokussiert war, das Zukunftspotenzial des Elektrofahrzeugmarktes erkannte und Nikola als potenziellen Gamechanger ausgemacht hat.

Doch die positive Stimmung am Markt schlug bereits nach kurzer Zeit um, als sich mit Hindenburg Research ein Shortseller mit massiven Vorwürfen gegen Nikola zu Wort meldete. Von "komplexem Betrug" war die Rede, der auf "Dutzenden Lügen von Trevor Milton" beruhe. Der Leerverkäufer warf dem E-Truck-Startup unter anderem vor, potenzielle Kunden mit einem produzierten Werbevideo für seinen Elektro-Lastwagen hinters Licht geführt zu haben: Statt aus eigener Kraft mit Elektroantrieb zu fahren, sei das Fahrzeug lediglich ein Gefälle heruntergerollt worden. Die Vorwürfe wurden von der "Financial Times" aufgenommen und führten schließlich dazu, dass Nikola den Betrug einräumte und den Schwindel eingestehen musste.

"Wir haben ein solches Ausmaß an Betrug bei einem börsennotierten Unternehmen noch nie erlebt", erklärte Hindenburg Research und besiegelte damit einen massiven Kursrutsch der Nikola-Aktie. 27 Prozent verlor der Anteilsschein in einer ersten Anlegerreaktion.

Zweifel an Geschäftsmodell keimen auf

Der Bericht des Leerverkäufers brachte die breite Anlegerschaft von Nikola ins Grübeln. Wie realistisch war die Umsetzung des Geschäftsmodells tatsächlich? Bloomberg zufolge hegten große institutionelle Investoren wie Fidelity Investments bereits vor der Veröffentlichung der Vorwürfe Zweifel an dem Unternehmen, das als erklärter Tesla-Konkurrent an den Start gegangen war. Konkret sei es dabei um die Führungsqualitäten von Trevor Milton gegangen, der - übrigens ebenfalls eine Analogie zu Tesla - als Chef große Visionen hatte und Versprechungen machte, die in der Realität aber schwer umsetzbar seien.

Die Folgen der Hindenburg-Vorwürfe waren einschneidend: Nicht nur verlor das Unternehmen massiv an Börsenwert, sondern auch noch seinen Chef - Trevor Milton zog die Konsequenzen und gab seinen Posten an der Konzernspitze auf. Und am Ende kam es noch dicker: Auch der geplante Einstieg von General Motors wurde zunächst auf Eis gelegt und schlussendlich sogar komplett abgesagt, was einen weiteren Kursrutsch zur Folge hatte, denn auch die Entwicklung und Produktion des Pickup-Trucks Badger wurde in diesem Zusammenhang abgesagt.

Wie elementar ist der (Image-)Schaden bei Nikola?

Ob das Unternehmen am Markt bestehen und seine hochfliegenden Ambitionen als ernsthafter Herausforderer von Tesla erfüllen kann, bleibt abzuwarten. Denn aktuell ermittelt die US-Börsenaufsicht SEC. Zwar könnte man argumentieren, auch das Vorbild Tesla habe bereits SEC-Ermittlungen hinter sich gebracht und hat dennoch in diesem Jahr sowohl auf operativer Ebene als auch an der Börse neue Rekordwerte erreicht, allerdings ist es dabei nicht um möglichen Anlegerbetrug gegangen.

Denn die Zukunft von Nikola steht und fällt mit dessen Geschäftsmodell, das Anleger als möglichen Zukunftsmarkt feierten. Dass aktuell mindestens fünf Sammelklagen im Umlauf sind, in denen es darum geht, dass aktuelle und ehemalige Konzernmanager in öffentlichen Erklärungen sowohl über die Pläne des Unternehmens als auch die Zukunftsaussichten gelogen haben sollen, dürfte einem Wiederaufbau des Anlegervertrauens nicht zuträglich sein. Umso schwerer dürfte dies vor dem Hintergrund möglich sein, dass mit Wirecard in diesem Jahr bereits ein massiver Anlegerskandal die Märkte erschüttert hat. Börsianer reagieren seither besonders empfindlich auf mögliche Unregelmäßigkeiten bei börsennotierten Unternehmen.

Nikola wird also einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen, um die Anleger wieder hinter sich zu bringen. Einige Marktexperten halten es aber zumindest nicht für unmöglich, dass der E-Truckhersteller die Trendwende schafft. Das Analysehaus RBC hält die Absage des "Badger" mittelfristig nicht für einen Beinbruch, hat aber dennoch infolge des General Motors-Debakels sein Kursziel für die Nikola-Aktie gesenkt. Paul Coster von JPMorgan hat ähnlich auf die jüngst veröffentlichten Quartalszahlen von Nikola reagiert, sieht die Aktie aber weiter als gute Investition. Dabei verwies er insbesondere drauf, dass Nikola über eine höhere Liquidität verfüge als befürchtet.

Fest steht: Die Nähe zu Tesla zu suchen hat Nikola in den Anfangstagen geholfen, um auf sich aufmerksam zu machen. Doch insbesondere nach dem geplatzten GM-Deal und den Zweifeln am Geschäftsmodell muss das Unternehmen nun auf operativer Basis liefern. Die kürzlich abgesetzte Nachricht, dass die ersten fünf Batterie-Lastwagen vom Typ Nikola Tre montiert wurden und im ersten Quartal 2021 Validierungstests durchgeführt werden sollen, sind ein erster Schritt auf diesem Weg.

So dürfte auch 2021 spannend werden - für Nikola-Anleger aber auch für Branchenbeobachter.

Redaktion finanzen.at

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Bildquelle: Nikol,Nikola