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Profiteure der Krise 12.12.2020 23:08:00

Sind Slack-, Zoom-, TeamViewer-Aktien & Co trotz Impfstoff-Ankündigung noch ein Kauf?

Sind Slack-, Zoom-, TeamViewer-Aktien & Co trotz Impfstoff-Ankündigung noch ein Kauf?

• Impfstoff-Nachricht führt zu Sektorrotation
• Zyklische Aktien liegen wieder voll im Trend
• E-Commerce- und Homeoffice-Aktien lohnen sich trotz Impfstoff

Die Impfstoff-Ankündigungen von BioNTech und Pfizer sowie Moderna haben für eine buchstäbliche Trendwende an den internationalen Aktienmärkten geführt. Während der Kaufdruck bei den klassischen Profiteuren der Krise stark abnahm, starteten viele Zykliker und Verlierer der Pandemie ihre Erholungsrally.

Impfstoff-Ankündigung verursacht Sektorrotation

Die Benachrichtigung, dass zwei Biotechnologieunternehmen eine wirksame Corona-Schutzimpfung entwickeln konnten, sorgte nicht nur für große Euphorie unter Investoren, sondern führte auch zu einem unmittelbaren Paradigmenwechsel an der Börse. "Die Börse läuft der Entwicklung voraus und antizipiert bereits eine Rückkehr zur Normalität", so die Einschätzung von Marko Behring, Leiter des Asset Managements der Fürst Fugger Privatbank, gegenüber dem Handelsblatt.

"Die Sektorrotation kommt. […] Wer jetzt nicht auf Zykliker setzt, glaubt nicht daran, dass wir einen erfolgreichen Impfstoff bekommen", so auch die Abwägung von Christian Kahler, Leiter der Aktienstrategieabteilung bei der DZ Bank, in einer Veröffentlichung des Handelsblattes.

Die Impfstoff-Ankündigung machte sich somit unmittelbar bei den konjunktursensiblen Branchen und Aktien aus dem Bereich Touristik, Hotellerie, Luftfahrt sowie Öl- und Gas bemerkbar. So explodierten die Aktienkurse von Unternehmen wie TUI, Carnival, Lufthansa und TOTAL in Folge der Impfstoff-Nachricht. Die Aktien des Reiseveranstalters TUI und des Kreuzfahrtunternehmens Carnival konnte so innerhalb kürzester Zeit einen Wertzuwachs in Höhe von fast 70 Prozent verzeichnen.

Impfstoff macht aus Verlierern keine Gewinner

Zwar bringt die Nachricht von einem wirksamen Impfstoff neuen Schwung für das ein oder andere Unternehmen, welches in der Pandemie unter die Räder gekommen ist, dennoch wird das neue Immunserum keine Wunder an den Märkten vollbringen können. Denn wie die neue Normalität nach der Pandemie aussehen wird ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch mehr als fraglich. Dementsprechend kann nicht zwangsläufig damit gerechnet werden, dass die Pandemie-Verlierer automatisch zu den Post-Corona-Gewinnern zählen werden.

Die Pandemie wird trotz Impfstoff ihre Spuren hinterlassen und für dauerhafte Veränderungen sorgen, die sich womöglich schon jetzt abzeichnen. Zwar können die zukünftigen Verhaltensmuster der Menschen nicht exakt vorhergesagt werden, jedoch lassen sich schon jetzt einige Annahmen treffen.

Einige Virus-Profiteure dürften trotz Impfstoff im Trend bleiben, …

So werden die Menschen auch mit Impfstoff nicht aufhören diverse Produkte bei Amazon, Alibaba, eBay oder Zalando zu kaufen. Zwar dürften viele Konsumenten ihre Einkäufe wieder in den Innenstädten und Ladengeschäften erledigen, der große Trend rund um Online-Einkäufen wird dadurch dennoch nicht unterbrochen. Dementsprechend werden die Unternehmen aus diesem Bereich auch in Zukunft davon profitieren, dass ein immer größerer Teil der Einzelhandelsumsätze in das Internet verlagert werden.

Weitere Unternehmen, die sich trotz Impfstoff wohl keine allzu großen Sorgen machen müssen, sind diverse IT- und Kommunikationsdienstleister, welche allesamt vom anhaltenden Homeoffice-Trend profitieren. Die sogenannten "Work from Home"-Aktien wie zum Beispiel TeamViewer, Microsoft, Slack und Zoom werden sich höchstwahrscheinlich auch nach der Pandemie einer großen Beliebtheit erfreuen. Denn die zurückliegenden Lockdown-Phasen haben eindrucksvoll bewiesen, dass viele Betriebe auch ohne die ständige Anwesenheit der Mitarbeiter im Büro gut funktionieren. Die technischen Lösungen der "Work from Home"-Unternehmen dürften dementsprechend auch nach der Pandemie noch vielfältig genutzt werden.

Neben E-Commerce- und Homeoffice-Aktien dürften aber auch Unternehmen aus der digitalen Unterhaltungsindustrie sowie dem Bereich digitale Bezahlsysteme en vogue bleiben. Die Dienste und Angebote der klassischen Pandemie-Profiteure wie zum Beispiel Sony, Nintendo, Activision Blizzard, Walt Disney und Netflix werden nämlich aller Voraussicht nach auch in einer Post-Corona-Welt stark nachgefragt.

Ähnlich dürfte es sich mit den Dienstleistungen von PayPal, MasterCard und Visa verhalten. Die Tendenz zum bargeldlosen Bezahlen wurde durch die Corona-Pandemie extrem verstärkt und dieser Trend wird sich vermutlich auch von einem Impfstoff nicht abmildern lassen.

… während andere womöglich ins Hintertreffen geraten

Einige Virus-Profiteure hat die Impfstoff-Nachricht jedoch hart getroffen. So korrigierten die Aktien der Essenlieferdienste Delivery Hero oder HelloFresh in Reaktion auf die Neuigkeit um bis zu 20 Prozent. Denn sobald alle Restaurants, Bars und Lokale wieder öffnen dürfen, werden auch die Umsätze der klassischen Lieferdienste einbrechen.

Mit einem Kurssturz von rund 20 Prozent reagierte auch die Aktie der US-Firma Peloton alles andere als freundlich auf die Impfstoff-Nachricht. Der Konzern, der sich auf den Verkauf von Fitnessgeräten spezialisiert hat, profitierte zuvor umfassend von den verhängten Ausganssperren und Zwangsschließungen von Fitnessstudios. Sobald die Sportzentren jedoch wieder dauerhaft ihre Pforten öffnen dürften wird auch der Absatz von Heimtrainingsgeräten einbrechen. Ähnliche Umsatzeinbußen sind auch bei diversen Schutzanzug- und Maskenherstellern zu befürchten. So stürzte beispielsweise die Aktie des US-amerikanischen Hygienespezialisten Alpha Pro Tec in Folge der Impfstoff-Nachricht um zeitweise mehr als 25 Prozent ein.

Jetzt ist Fingerspitzengefühl gefragt

Nicht alle Corona-Profiteure sind jetzt automatisch Impfstoff-Verlierer und nicht alle Corona-Verlierer sind nun zwangsläufig Impfstoff-Gewinner. Zwar zeigt sich an den globalen Aktienmärkten gegenwärtig eine gewaltige Sektoren-Rotation, dieser sollten Privatanleger jedoch nur selektiv folgen, denn die neue Normalität nach der Pandemie wird sich deutlich von der alten Normalität vor der Krise abgrenzen.

So hat die Virus-Krise beispielsweise dafür gesorgt, dass so manche digitale Anwendung, die schon lange vor der Pandemie hätte genutzt werden können, nun fast schon selbstverständlich geworden ist. Die COVID-19-Pandemie hat dabei nicht unbedingt den Entwicklungsprozess der Technologie beschleunigt, sondern vielmehr den digitalen Wandel der Gesellschaft und Wirtschaft.

Pierre Bonnet / Redaktion finanzen.at

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