Kunden verärgert 16.03.2020 22:12:00

Tesla-Kunden in China enttäuscht: Ausstattung nicht wie versprochen geliefert

Tesla-Kunden in China enttäuscht: Ausstattung nicht wie versprochen geliefert

• Tesla-Kunden bekamen Model 3 mit veralteter Hardware
• Autopilot dadurch mit deutlich weniger Funktionen
• Coronavirus habe zu Problemen in Lieferkette geführt

Der US-Elektroautopionier Tesla hat Kunden in China offenbar neue Model 3 mit veralteter Autopilot-Hardware, der Version 2.5, geliefert, wie aus diversen Beschwerden hervorgeht - das mussten die betroffenen Tesla-Kunden, die sich zunächst über ihr brandneues Elektroauto gefreut hatten, nun feststellen. Zuvor sei versprochen worden, dass die Kunden die neueste Hardware, HW3.0, erhalten würden, wie es bei CNBC heißt.

Full Self Driving Service nicht möglich

Die neue Version des Autopiloten beinhaltet einen von Tesla entwickelten und hergestellten, geschützten Chip, der die Bilder etwa 21 Mal schneller verarbeitet als die vorherige Version, wird in einem Bericht des japanischen Nikkei Asian Review erklärt. Mithilfe dieses neuen Chips könne der Autopilot des Model 3 nun Ampeln, Straßenschilder oder auch orangefarbene Verkehrskegel erkennen und somit eigenständig durch den Straßenverkehr navigieren. Ohne HW3.0 und somit den neuen Chip ist es Kunden nicht möglich, den FSD (Full Self Driving Service) zu erwerben.

Täuschung der Tesla-Kunden?

Kunden, die ein Model 3 mit veralteter Hardware erhielten, zeigten sich daher äußerst verärgert und beschuldigten den Elektroautobauer, "die Verbraucher zu täuschen". Einige riefen gar zum Boykott auf, wie Nikkei Asien Review berichtet. "Tesla nutzte alle verfügbaren Komponenten, um einen schnellen Gewinn zu erzielen. Das ist ekelhaft", zitiert das Magazin aus einem Beitrag eines verärgerten Kunden auf Weibo. "Was wäre, wenn wir das nicht herausgefunden hätten? Tesla, ihr habt die Erwartungen des chinesischen Volkes und der Regierung nicht erfüllt", so ein anderer Model 3-Käufer.

Probleme durch Corona-Krise

In einer Stellungnahme, die auf Weibo veröffentlicht wurde, erklärte Tesla daraufhin, diese fehlerhaften Lieferungen seien auf Störungen in der Lieferkette zurückzuführen - verursacht durch die Krise rund um das Coronavirus sowie damit einhergehenden Werksschließungen. Tesla entschuldigte sich und versuchte, die Kunden zu besänftigen: "Wir bedauern zutiefst die Verwirrung, die wir bei einigen Tesla-Besitzern verursacht haben". Man habe die Kunden nicht absichtlich in die Irre führen wollen, vielmehr habe man ihnen ihr neues Auto schnellstmöglich liefern wollen. Sobald sich die Produktionskapazität und die Lieferketten erholt hätten, wolle Tesla die Hardware mit geringerer Leistung in jedem Fall kostenfrei durch die neue ersetzen, erklärte Elon Musk.

Zudem erklärte er, dass die betroffenen Kunden durch die veraltete Hardware keinen Nachteil hätten: "HW2.5 und HW3.0 sind für Besitzer, die keinen zusätzlichen FSD-Service gekauft haben, praktisch gleich. Wir haben das neueste HW3.0 für alle Benutzer installiert, die FSD gekauft haben", zitiert Pandaily.

Kunden fühlen sich betrogen

Die Entschuldigung konnte einige Kunden allerdings nicht beschwichtigen. "Ich habe mich für den Kauf eines Teslas entschieden, weil er über eine bessere selbstfahrende Computertechnologie verfügt als seine Konkurrenten. Aber Tesla ersetzte die Chips, ohne die Kunden darüber zu informieren. Das hat unserer Meinung nach bereits einen Betrug dargestellt", zitiert Nikkei Asian Review einen verärgerten Kunden. Während einige Model 3-Besitzer nun lediglich eine Entschädigung fordern, wollen andere wiederum rechtliche Schritte einleiten. Dazu haben sie sich bereits zu einer Gruppe zum Schutz der Verbraucherrechte zusammengeschlossen, Beschwerden bei der Verbrauchervereinigung eingereicht sowie einen Anwalt beauftragt und eine Klage verfasst. "Tesla muss für sein Verhalten bezahlen", lassen die Kunden ihre Wut heraus.

"Es ist unglaublich, dass Tesla dies auf Probleme in der Lieferkette schob! Alle seit April 2019 hergestellten Teslas sollten HW3 installiert haben", zeigte sich derweil auch Chris Redl, leitender Portfoliomanager bei Gordian Capital in Japan, verärgert. "Das Vertrauensproblem ist ernst für ein Unternehmen, das in China groß rauskommen will, auch wenn die Kosten für Arbeit und Komponenten nicht zu Lasten der Gewinne gehen werden", warnte er. Analysten erwarten für Tesla allerdings keine schwerwiegenden Folgen.

Redaktion finanzen.at

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