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Nach Neubewertung 07.06.2022 23:24:00

S&P Nachhaltigkeitsindex künftig ohne Tesla-Aktie: Darum stimmt ESG-Unternehmen Novata der Musk-Kritik zu

S&P Nachhaltigkeitsindex künftig ohne Tesla-Aktie: Darum stimmt ESG-Unternehmen Novata der Musk-Kritik zu

• Tesla-Aktie fliegt aus S&P 500 ESG
• Musk macht seinem Ärger auf Twitter Luft
• Novata fordert Umstellung von ESG-Bewertung


Elon Musk inszeniert sich als Nachhaltigkeits-Fan

Tesla-Chef Elon Musk heftet sich bereits seit einiger Zeit ans Revers, mit seinen Unternehmen die Menschheit voranzubringen. So will der Unternehmer mit dem Raumfahrtunternehmen SpaceX den Mars besiedeln, mit Starlink weltweit ultraschnelles Internet anbieten, mit Neuralink das Potenzial des menschlichen Gehirns erweitern und mit Tesla die Abkehr von fossilen Brennstoffen beschleunigen. So kommen die Fahrzeuge des E-Autobauers nicht nur vollständig ohne Benzin aus, der Konzern vertreibt auch eigene Solarpaneele, die sich Endverbraucher als Bedachung auf Gebäude installieren lassen können. Gegenüber dem US-Sender "CNBC" gab Musk einst an, dass Solar- und Windkraft, elektrische Fahrzeuge sowie Akkus zur Energiespeicherung die wichtigsten Pfeiler einer nachhaltigen Zukunft seien.

Tesla-Aktie nicht mehr in Nachhaltigkeitsindex

Der Nachhaltigkeitstrend manifestiert sich auch deutlich am Aktienmarkt. Nicht nur richten immer mehr Unternehmen ihre Geschäftsaktivitäten auf die ESG-Kriterien aus, die die Aspekte Umwelt (Environment), Social (Soziale Verantwortung) und Governance (Unternehmensführung) abdecken, interessierten Anlegern wird der Einstieg mithilfe von zahlreichen ESG-Fonds außerdem vereinfacht. Auch spezielle ESG-Indizes wurden mittlerweile ins Lebens gerufen, so auch der S&P 500 ESG. "Der S&P 500 ESG Index ist ein breit angelegter und nach Marktkapitalisierung gewichteter Index, der die Leistung von Wertpapieren messen soll, die Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, und der dabei insgesamt eine Branchengewichtung beibehält, die der des S&P 500 ähnelt", heißt es dazu auf dem Webauftritt des Betreibers. Diese Kriterien scheint die Tesla-Aktie nun aber nicht länger zu erfüllen: Mitte Mai flog das Papier des E-Autobauers aus dem Nachhaltigkeitsindex, wie S&P Dow Jones erklärte. Bei der Neugewichtung des Index wurde festgestellt, dass der vom Betreiber berechnete ESG-Score für Tesla 25 Prozent unter den Mitbewerbern des Musk-Konzerns liegt. Als Gründe dafür nennt S&P Dow Jones, dass das Unternehmen keine Strategie zur Senkung des CO2-Ausstoßs vorlegen könne, außerdem haben Berichte über Rassismus und schlechte Arbeitsbedingungen den Wert weiter gedrückt. Auch die Aufarbeitung von Unfällen mit Teslas "Autopilot" habe den Score negativ beeinflusst. "Auch wenn Tesla seinen Teil dazu beiträgt, dass benzinbetriebene Autos von der Straße verschwinden, ist das Unternehmen bei einer weiter gefassten ESG-Betrachtung hinter seine Konkurrenten zurückgefallen", heißt es in einem Blogartikel des Index-Betreibers.

Musk nach Tesla-Rausschmiss: "ESG ist ein Betrug"

Musk selbst zeigte sich über den Rauswurf aus dem Nachhaltigkeitsindex erzürnt. So kritisierte der Unternehmer via Twitter, dass der Ölkonzern ExxonMobil im Index als eine der Top-Positionen gilt, während Tesla nicht einmal mehr im Index zu finden sei. "ESG ist ein Betrug. Es wurde von heuchlerischen Kämpfern für soziale Gerechtigkeit als Waffe eingesetzt", lautete das Urteil des Tesla-Chefs.

So habe S&P Dow Jones seine Integrität verloren. In weiteren Tweet machte der Entrepreneur seinem Ärger weiter Luft: "Obwohl Tesla mehr für die Umwelt tut als jedes andere Unternehmen!", schrieb Musk etwa auf dem Kurznachrichtendienst.

ESG-Firma stimmt Musk-Kritik zu

Unterstützung erhält der polarisierende Konzernlenker nun ausgerechnet von der Führungsriege des Tech-Unternehmens Novata, das ESG-Dienstleistungen für Unternehmen anbietet. So zeigen Alex Friedman, Josh Green und Lorraine Spradley Wilson, deren Geschäftsmodell damit genau Musks Kritikpunkt abbildet, in einem Gastbeitrag auf dem Finanzportal "Barron’s" Verständnis für die Enttäuschung des Unternehmers. "Der unbeteiligte Beobachter könnte sich fragen: Wenn Tesla nicht für eine ESG-Gruppe von Unternehmen geeignet ist, wer dann?", heißt es in dem Textbeitrag. "Aber wir leiten ein ESG-Unternehmen und wir sind hier, um Ihnen zu sagen, dass Musk nicht ganz Unrecht hat." So rechnen die Novata-Leiter Tesla durchaus die wichtige Rolle an, die das Unternehmen im Transfer von umweltschädlichen Fahrzeugen hin zu nachhaltiger Fortbewegung spielt. Diese Position habe aber nicht zum Ausschluss aus dem S&P 500 ESG geführt. "Das Problem mit der ESG-Offenlegung als Instrument - sei es für Investoren oder sogar für die Gesellschaft - besteht darin, dass sie ein viel zu stumpfes Gerüst darstellt", geben die Autoren zu bedenken. "So wie es derzeit konzipiert ist, besteht die Gefahr, dass ESG kaum mehr als ein Marketing-Slogan ist, der dazu bestimmt ist, zu verwirren oder als ‚Greenwashing‘ bezeichnet zu werden. Es besteht die Gefahr, dass das gesamte ESG-Konzept den Bach hinuntergeht, bevor es die Chance bekommt, erwachsen zu werden."

Umstrukturierung von Bewertungsstrategie gefordert

Um diesem "Gewirr" entgegenzuwirken, fordern Friedman, Green und Spradley Wilson etwa, dass die drei ESG-Faktoren separat behandelt werden. So können Unternehmen durchaus nach ihrem CO2-Ausstoß, der Bezahlung ihrer Mitarbeiter und ihren Arbeitsbedingungen bewertet werden, verknüpft man diese Aspekte aber miteinander, könne sich kein eindeutiges Ranking aufstellen lassen.

Um die Kennzahlen der drei Faktoren dennoch miteinander zu vergleichen, benötige man aber eine gemeinsame Definition dieser Werte. "Es ist nicht so, dass alle Unternehmen die gleichen Kennzahlen verfolgen müssen, denn einige Kennzahlen, die für eine Branche wichtig sind, sind für eine andere irrelevant. Aber die Definitionen der einzelnen Messgrößen müssen nahe genug beieinander liegen, um nützliche Vergleiche zu ermöglichen, wenn sie verwendet werden", heißt es weiter. So könnten etwa die Standards des International Sustainability Standards Board herangezogen werden.

Anbieter legen unterschiedliche ESG-Bewertungsstandards an

Darüber hinaus fordern die Leiter des ESG-Unternehmens, dass sich Beobachter von Gesamtwertungen distanzieren, vor allem wenn diese weitreichende Folgen wie den Ausschluss aus einem Aktenindex nach sich ziehen. Je nachdem, welcher Anbieter diese Daten erhebt, können bei Untersuchungen nämlich unterschiedliche Ergebnisse herauskommen, warnen die Autoren des Textbeitrags. "Jeder Anbieter dieser Dienstleistungen wird seine eigene Methodik und Nuancen haben, die auf die Bedürfnisse seiner Zielgruppe zugeschnitten sind." Stattdessen müsse man sich vermehrt auf Daten stützen, die von den Unternehmen selbst bereitgestellt werden. Diesen Informationen weisen die Novata-Leiter eine ähnlich hohe Bedeutung wie Finanzdaten zu. "Sie sind für das Unternehmen selbst nützlich, wenn seine Manager und der Vorstand versuchen, die Bereiche zu verstehen, auf die sie sich konzentrieren und die sie verbessern müssen. Und sie sind nützlich für Investoren, die zu verstehen versuchen, wo sie ihr Kapital auf der Grundlage von mehr als nur traditionellen Finanzkennzahlen zuweisen sollten."

Forderung nach Chance für Unternehmen

Um eine solche Einordnung auf breiter Basis zu ermöglichen, müsse man sich also auf eine gemeinsame Bewertungsbasis einigen und den Unternehmen die Möglichkeit geben, ihre Datensätze anonymisiert weiterzuleiten. Einige Länder arbeiten bereits an entsprechenden Verordnungen, wobei im Laufe der Zeit mit einer gemeinsamen Annäherung an einen Standard zu rechnen sei. Außerdem sollten die Vorstände der berichtenden Unternehmen für einen sicheren Umgang mit den Daten in die Verantwortung genommen werden. Auch müsse sichergestellt werden, dass die Verarbeiter der Informationen die Unternehmensdaten auch tatsächlich anonymisiert und geschützt verwenden. "Wir treten in eine Ära ein, in der vorausschauende CFOs beginnen, ESG-Daten mit der gleichen Strenge zu prüfen wie die Finanzdaten eines Unternehmens", so Friedman, Green und Spradley Wilson.

Damit zeigt die Novata-Führungsspitze also durchaus Verständnis für Musks Kritik, betont aber auch das Potenzial, dass die ESG-Branche bieten kann, wenn die Bewertungsgrundlagen entsprechend definiert sind. "Geben wir den Idealen hinter den ESG eine Chance, es auch richtig zu machen", fordern die Autoren letztendlich.

Redaktion finanzen.at

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