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Autobranche im Wandel 10.06.2021 22:14:00

"Software-defined Vehicle": Tesla verlagert Fokus von Hardware zu Software

"Software-defined Vehicle": Tesla verlagert Fokus von Hardware zu Software

• Tesla treibt Elektrifizierung der Autobranche voran
• Software wird wichtiger als Hardware
• Transformation der Autoindustrie vergleichbar mit Weiterentwicklung des Wählscheibentelefons zum Smartphone

Die Autoindustrie befindet sich in einer Phase der Transformation. Die fortschreitende Digitalisierung sowie ein wachsendes Umweltbewusstsein machen auch vor der trägen Autoindustrie keinen Halt. Ein Autobauer der diesen Wandel maßgeblich mit voran treibt, ist der US-E-Pionier Tesla. Lange Zeit wurde das Unternehmen von Visionär Elon Musk als Randerscheinung belächelt, den Konkurrenten dürfte in den letzten Jahren das Lachen jedoch gründlich vergangen sein.

Denn während der Elektro-Fahrzeughersteller noch vor wenigen Jahren kurz vor dem finanziellen Ruin stand, ist er mittlerweile gemessen an der Marktkapitalisierung zum größten Autobauer der Welt aufgestiegen. Längst haben auch die anderen alteingesessenen Autobauer begriffen, dass es für traditionelle Verbrennermotoren in der Zeit der Energiewende bald eng werden wird und dementsprechend ihre eigenen Ambitionen in Sachen E-Mobilität konkretisiert.

Die nächste Transformation: Software

Tesla ist unterdessen erneut einen Schritt voraus und hat schon die nächste Transformation in der Autowelt gestartet - die Fokusverlagerung von Hardware zu Software. Dabei hat Tesla mit dem sogenannten "Software-defined Vehicle", zu Deutsch software-definiertes Fahrzeug, eine eigene Autokategorie geschaffen, die zukunftsweisend sein dürfte. So handelt es sich der Technologiefirma Aptiv zufolge bei einem solchen Software-Fahrzeug um ein Auto, dessen Funktionen und Feature vorrangig durch Software ermöglicht werden. Dabei werden insbesondere die drei Trends "Elektrifizierung, Automatisierung und Konnektivität" mithilfe von Softwareanwendungen adressiert.

Während sich Fahrzeuge und auch die verschiedenen Autobauer in der Vergangenheit insbesondere durch variierende Hardware-Eigenschaften wie Drehmoment oder Leistung voneinander unterschieden, rücken heutzutage andere Funktionen wie die Möglichkeit zum autonomen Fahren, ein eigenes Infotainment-System oder ein intelligentes Fahrzeug in den Fokus von Kunden.

Von der Wählscheibe zum Smartphone - bei Autos

Tesla hat dies bereits verstanden und steuert schon heute zahlreiche der Features seiner Modelle über Over-the-Air-Softwareupdates, sodass Tesla-Fahrer auch von Weiterentwicklungen, die nach dem Kauf des Fahrzeugs ausgerollt werden, profitieren können.

Wie Barron’s-Journalist Al Root in einem Artikel schreibt, könne in diesem Sinne aktuell in der Fahrzeugbranche eine ähnliche Transformation beobachtet werden, wie vor nicht allzu langer Zeit die vom einstigen Wählscheibentelefon zum heutigen Smartphone.

Die Tesla-Konkurrenz holt auf

Doch auch wenn der E-Spezialist hier einen Vorsprung, holt auch die Konkurrenz auf. So kündigte US-Riese Ford kürzlich an, neben einer breit angelegten Elektrifizierungs-Offensive auch weitere Fortschritte in der Softwareentwicklung zu planen. So soll die Zahl der Autos, die mithilfe von Softwareupdates über das Internet auf dem aktuellsten Stand gehalten wird, bis Ende 2021 auf ein Million anwachsen. Im Jahr 2028 sollen es dann schon 33 Millionen Fahrzeuge sein.

Die andere Seite von Software

Allerdings weist Root in seinem Bericht darauf hin, dass die bevorzugte Nutzung von Software gegenüber Hardware bei Tesla auch zu Konflikten führt. So kündigte der E-Autobauer kürzlich an, in seine neueren Model 3 und Model Y keine Radar-Sensoren für das autonome Fahren mehr verbauen zu wollen und stattdessen vollständig auf die im und außerhalb des Fahrzeug angebrachten zahlreichen Kameras zu setzen. Das intelligente KI-System, dass das autonome Fahren ermöglicht, nennt sich Tesla Vision. Mit diesem Ansatz steht Tesla in der Autobranche in Sachen selbstfahrende Autos allein da, alle anderen halten die Nutzung von Sensoren für unerlässlich.

Die Ankündigung kostete Teslas Model 3 die "Top Pick"-Auszeichnung des US-Verbrauchermagazins Consumer Reports. Hintergrund ist, dass mit der Umstellung des Fahrassistenzsystems von Radar-Sensoren auf Kameras einige Funktionen vorübergehend nicht funktionieren, bis die Umstellung vollständig abgeschlossen ist, was nicht nur bei den Verbraucherschützern, sondern auch der US-Verkehrsbehörde NHTSA Sicherheitsbedenken auslöst. Diese entschloss sich daher dazu, den Tesla-Modellen 3 und Y, die seit dem 27. April 2021 und daher ohne Radar-Sensoren produziert wurde, ein Prüfzeichen zu entziehen.

Trotz diesen Rückschlags trägt der Fokus auf Software gegenüber Hardware hier zu einer Kostenreduzierung bei, da keine teuren Sensoren mehr benötigt werden. Auch Root argumentiert, dass der Kostenvorteil von Software gegenüber Hardware nicht unterschätzt werden sollte. So hätte Tesla eine höhere Bruttogewinnspanne als Traditionsautobauer BMW, und das obwohl der US-E-Pionier viel kleiner als der deutsche Konkurrent sei.

Er sieht dementsprechend voraus, dass Kunden sich beim Autokauf in der Zukunft immer weniger auf die äußeren und viel mehr auf die inneren Werte eines Fahrzeugs konzentrieren würden. Ob dies tatsächlich so sein wird, bleibt abzuwarten.

Redaktion finanzen.at

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