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08.06.2026 12:09:28

Steht die KI-Euphorie vor dem Ende?

Kolumne

Nach einem starken Beginn haben die deutschen Aktienmärkte in der vergangenen Woche deutlich nachgegeben. Gründe dafür waren der nach wie vor schwelende Iran-Krieg, Zinserhöhungs- und Inflationssorgen sowie vor allem auch Ängste vor einem Ende der KI-Rally.

Rückblick: Fallende Kurse zum Wochenende

Letztere wurde nicht zuletzt durch die Forderung des KI-Unternehmens mit ausgelöst, das eine weltweite Pause bei der KI-Entwicklung forderte. Aber auch Meldungen im Zusammenhang mit dem anstehenden Börsengang von SpaceX sorgten für Irritationen. Dies alles führte vor allem am Freitag zu deutlichen Kursverlusten bei KI- und High-Tech-Aktien.

Dax-Familie verliert deutlich

Insgesamt verlor der Deutsche Aktienindex (Dax) im Wochenvergleich 2,1 Prozent. Er beendete den Handel am Freitag bei 24.578,15 Punkten. Der MDax rutschte um 3,6 Prozent auf 32.140,18 Zähler ab. Und beim TecDax stand mit 4.026,32 Punkten ein Wochenminus von 3,2 Prozent an der Anzeigentafel. Alleine am Freitag war er dabei um 3,1 Prozent gefallen. Der m:access All Share wiederum gab in der vergangenen Woche um 4,6 Prozent auf 1.162,10 Punkte nach.

Zalando bleibt im Dax

Zu den großen Verlierern im Dax zählte der Halbleiterhersteller Infineon . Dessen Papiere beendeten ihren rasanten Höhenflug in den Monaten zuvor und fielen letztlich um 9,8 Prozent. SAP konnten dagegen ein Wochenplus von 2,4 Prozent über die Ziellinie retten. Die Aktien des Walldorfer Unternehmens hatten allerdings zum Wochenanfang noch einen zweistelligen (Prozent-)Gewinn aufgewiesen und dabei von der zunehmenden Überzeugung der Anleger profitiert, dass die Entwicklung hin zu KI die Geschäfte von Softwareunternehmen generell nicht so stark belasten wird, wie erwartet. Zalando setzten derweil ihren Aufwärtstrend fort. Die Aktien gewannen 3,8 Prozent und profitierten dabei auch davon, dass sie trotzt anderer Spekulationen weiterhin im Dax bleiben werden. Die am Mittwoch nach Börsenschluss verkündete Neuzusammensetzung des Dax zum 22. Juni betrifft damit mit der Porsche SE nur einen Titel. Deren Aktienkurs reagierte mit einem Wochenminus von 6,9 Prozent auf den Abstieg in den MDax. Porsche SE werden von Hochtief ersetzt. Dies half den Papieren des Baukonzerns um 2,0 Prozent nach oben.

Anleihen: Leicht nachgegeben

Die deutschen Anleihemärkte haben in der vergangenen Woche leicht nachgegeben und damit ihre Pendelbewegung der jüngeren Vergangenheit in einem relativ engen Rahmen weiter fortgesetzt. Dabei zeigten sich die Anleger vor allem mit Blick auf die anstehende Rats-Sitzung der EZB am Donnerstag dieser Woche zurückhaltend. Etwas belastet wurden die Notierungen zudem von einem sehr robusten US-Arbeitsmarktbericht am Freitag. Insgesamt kletterte die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenvergleich um 9 Basispunkte auf 3,03 Prozent. Die Umlaufrendite wiederum erhöhte sich um 8 Hundertstel auf 3,01 Prozent.

USA: Woche der Ernüchterung

Auch die US-Aktienmärkte haben eine ernüchternde Woche hinter sich, Nachdem die führenden Indizes zunächst ihre Rekordjagd der jüngeren Vergangenheit noch fortgesetzt hatten, gaben die Notierungen wie auch am deutschen Aktienmarkt vor allem am Freitag deutlich nach. Betroffen davon waren auch in New York insbesondere High-Tech-Werte, die zuvor vom KI-Boom profitiert hatten. Über die Gründe darüber waren die Marktteilnehmer uneins. Sie verwiesen unter anderem auf steigenden Anleihenkurse, deutlich besser als erwartet ausgefallene Arbeitsmarktdaten und die Tatsache, dass Broadcom bereits am Mittwoch seinen KI-Chip-Ausblick nicht erhöht hat. Entsprechend ging vor allem der Nasdaq-Composite-Index in den Keller. Er verlor im Wochenvergleich 4,7 Prozent auf 25.709,43 Zähler. Der S&P-500-Index gab um 2,6 Prozent auf 7.383,74 Punkte nach. Wesentlich besser hielt sich der Dow-Jones-Index. Er rutschte lediglich um 0,3 Prozent auf 50.866,78 ab.

Ausblick: Die Pessimisten übernehmen

Hatten sich die meisten Analysten in der Vorwoche noch verhalten positiv über die weitere Entwicklung an den Börsen geäußert, so zeigen sie sich angesichts der zuletzt fallenden Kurse nun deutlich pessimistischer. Sie gehen eher von weiter nachgebenden als von steigenden Kursen für die kommenden Tage aus. Gründe dafür gibt es viele.

So sorgt die überraschend robuste US-Konjunktur aufgrund der damit verbundenen Zinsängste ebenso für eine nervöse Grundstimmung, wie die Angst vor einem Platzen des KI-Booms. Waren die deutlichen Kursverluste vom Freitag also nur der Beginn einer von etlichen Beobachtern immer wieder prognostizierten deutlicheren Korrektur? Darüber könnte auch der für Freitag anstehende Börsengang von SpaceX mit entscheiden, der mit einem angestrebten Volumen von 75 Milliarden Dollar der bislang größte Börsengang aller Zeiten sein, aber von etlichen Marktteilnehmern kritisch gesehen wird. Sie betrachten ihn angesichts des enormen Volumens auch als Stresstest für die Aufnahmefähigkeit des Marktes und für die Bereitschaft der Börsianer, in riskante High-Tech- und KI-Aktien zu investieren.

Wichtige Unternehmenstermine

Neben dem Börsengang gibt es in der aktuellen Woche noch einige weitere Unternehmenstermine, die in Zusammenhang mit High-Tech und KI stark im Fokus stehen dürften - allen voran die neueste Apple -Entwicklerkonferenz, die an diesem Montag mit einer Keynote des scheidenden Konzernchefs Tim Cook startet. Am Mittwoch wiederum veröffentlicht Oracle seine neuesten Quartalszahlen, und am Donnerstag folgen die von Adobe.

Was macht die EZB mit den Zinsen?

Beim Thema Zinsen wiederum dürften die Anleger vor allem auf den Donnerstag schauen. Denn dann veröffentlicht die Europäische Zentralbank ihre neueste Zinsentscheidung. Das Gros der Beobachter erwartet dabei, dass die EZB die Zinsen anheben wird. Das sei bereits in den Kursen eingepreist, heißt es am Markt. Viele Analysten warten dafür umso gespannter darauf, ob und was EZB-Präsidentin Christine Lagarde über weitere mögliche geldpolitische Schritte sagen wird.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche

Montag, 08.06: Entwicklung der Werkaufträge in Deutschland; Sentix Investorenvertrauen in der Eurozone.
Dienstag, 09.06: Deutsche Handelsbilanz; Entwicklung der Industrieproduktion in Deutschland; Entwicklung der Arbeitskosten in Deutschland; US-Handelsbilanz; ADP-Beschäftigungsänderung in den USA; Wiederverkäufe von Häusern in den USA.
Mittwoch, 10.06: Konjunkturprognose des DIW; Verbraucherpreisindex USA.
Donnerstag, 11.06: EZB-Ratssitzung mit Zinsentscheidung; Erzeugerpreisindex USA; Erstanträge zur Arbeitslosenunterstützung in den USA.
Freitag, 12.06: Harmonisierter Verbraucherpreisindex für Deutschland; Entwicklung der Insolvenzen in Deutschland; Verbraucher-Stimmungsindex und -Erwartungsindex der Uni Michigan.

Ulrich Kirstein ist Pressesprecher der Börse gettex. Der Betriebswirt und Kunsthistoriker schreibt über Literatur und Börse, interviewt alle 14 Tage in Börse am Donnerstag den Leiter Marktsteuerung und hat u.a. mit Christine Bortenlänger Börse für Dummies und Aktien für Dummies verfasst.

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