Bilanzvorlage 28.01.2022 22:07:00

Apple überzeugt mit Zahlen - Apple-Aktie schließt mit kräftigen Gewinnen

Apple überzeugt mit Zahlen - Apple-Aktie schließt mit kräftigen Gewinnen

Apple hat in seinem ersten Geschäftsquartal, das das Weihnachtsgeschäft einschließt, 2,10 US-Dollar je Aktie verdient. Das war mehr als von Analysten erwartet, die hatten im Vorfeld ein EPS von 1,90 US-Dollar in Aussicht gestellt nach 1,68 US-Dollar je Aktie vor Jahresfrist.

Auch die Erlöse zogen deutlich an: Der Umsatz verbesserte sich von 114,44 Milliarden US-Dollar auf 118,28 Milliarden US-Dollar und lag damit aber unter den Analystenschätzungen (119 Milliarden US-Dollar).

Apple hat im vergangenen Weihnachtsgeschäft trotz der globalen Chip-Knappheit erneut Rekordzahlen eingefahren. Der Quartalsgewinn erreichte 34,6 Milliarden Dollar (31 Mrd Euro). Das war gut ein Fünftel mehr als ein Jahr zuvor. Der Umsatz stieg um rund elf Prozent auf 123,9 Milliarden Dollar (111,2 Mrd Euro), ebenfalls ein Bestwert. Dabei hätte der Konzern ohne die Chip-Engpässe noch mehr verkaufen können: Apple schätzt, dass sie den Umsatz um mehr als sechs Milliarden Dollar drückten.

Das iPhone war abermals der Wachstumstreiber. Der Umsatz mit dem Apple-Smartphone stieg im Jahresvergleich auf 71,6 Milliarden Dollar, wie Apple nach US-Börsenschluss am Donnerstag mitteilte. Das war ein Plus von neun Prozent im Jahresvergleich - deutlich mehr als von Analysten erwartet.

Nach Berechnungen der Analysefirma IDC verdrängte Apple wie so oft im Weihnachtsquartal Samsung vom Spitzenplatz im Smartphone-Geschäft. Mit rund 85 Millionen verkauften iPhones kam Apple demnach auf einen Marktanteil von 23,4 Prozent. Die Zahlen der Marktforscher legen nahe, dass der Konzern mehr teurere iPhone-Modelle als im Vorjahr verkauft haben muss. Denn bei den Stückzahlen errechnete IDC einen Rückgang von knapp drei Prozent. Von Apple selbst gibt es keine Absatzzahlen mehr.

Auch bei Mac-Computern, der Sparte mit der Apple Watch und Zubehör sowie im Abo-Geschäft gab es deutliche Zuwächse und Umsatzrekorde. Das iPad-Geschäft schrumpfte dagegen um 15 Prozent. Finanzchef Luca Maestri führte das auf die Chip-Knappheit zurück. Die Nachfrage sei stark gewesen - und rund jeder zweite iPad-Käufer habe damit sein erstes Apple-Tablet erworben.

Für das laufende Quartal erwartet Apple etwas weniger Gegenwind durch die Chip-Engpässe. Die Versorgungsprobleme beschränkten sich vor allem auf Halbleiter-Produkte aus älteren Produktionsverfahren, wie Konzernchef Tim Cook sagte.

Solche Chips kommen zum Beispiel in Netzteilen zum Einsatz. Sie wurden schnell zu einem knappen Gut, nachdem der Bedarf an Computern in der Corona-Pandemie hochschoss. Denn die Chipindustrie hatte die Kapazitäten bei älteren Prozessen über die Jahre zurückgefahren. Die Situation bleibe eine Herausforderung, betonte Cook. Apple kommt bisher dank seiner gut organisierten Lieferketten allerdings besser durch die Engpässe als viele Konkurrenten.

Das zeigt sich auch im Geschäft mit Mac-Computern, das zuletzt Quartal für Quartal Rekordumsätze abwarf. Im vergangenen Vierteljahr sprangen die Erlöse um 25 Prozent auf 10,85 Milliarden Dollar hoch. Der Großteil der Verkäufe entfalle inzwischen auf neue Modelle mit Apples hauseigenen Prozessoren statt Intel-Chips, hieß es. Der Konzern wechselt bei Macs auf die Chip-Architektur seiner iPhones und verspricht dadurch Vorteile bei Leistung und Effizienz.

Die Sparte, in der diverse Geräte wie Computer-Uhr Apple Watch, die AirPods-Ohrhörer und die HomePod-Lautsprecher gebündelt sind, steigerte den Umsatz um 13 Prozent auf 14,7 Milliarden Dollar. Apple nennt keine Absatzzahlen für einzelne Kategorien. Finanzchef Maestri hob aber hervor, dass es für über zwei Drittel der Watch-Käufer im vergangenen Quartal ihre erste Apple-Uhr gewesen sei.

Insgesamt sind aktuell 1,8 Milliarden Apple-Geräte bei Nutzern im Einsatz.

Der Dienste-Bereich mit Abo-Angeboten und dem App-Geschäft wuchs um 24 Prozent auf 19,5 Milliarden Dollar. Quer durch alle Dienste wie Musik- und Videostreaming oder Online-Speicher hat Apple 785 Millionen aktive Abonnements - 165 Millionen mehr als ein Jahr zuvor.

Das Weihnachtsquartal mit frischen iPhone-Modellen ist traditionell das stärkste im Jahr für den Konzern. Doch die Zahlen übertrafen noch die Wachstums-Erwartungen der Analysten.

Nach dem Rekordquartal lagen die Reserven des Konzerns trotz Ausschüttungen an die Aktionäre bei 203 Milliarden Dollar. Dem stehen Schulden von 123 Milliarden Dollar gegenüber.

Starke Apple-Zahlen verhindern im Technologiesektor Schlimmeres

Im unter Druck stehenden US-Technologiesektor hat Apple mit seinen Quartalszahlen ein starkes Zeichen gesetzt. Die Apple-Aktie legte im Handel an der NASDAQ am Freitag schlussendlich um 6,98 Prozent auf 170,33 US-Dollar zu. Die generelle Abwärtsbewegung bei Technologiewerten können sie damit aber allenfalls etwas bremsen, wie die aktuelle vorbörsliche Indikation für den NASDAQ 100 mit einem Minus von fast 0,2 Prozent zeigt.

Apple erzielte im Weihnachtsgeschäft trotz der globalen Chip-Knappheit erneut Rekordzahlen. Der Quartalsgewinn war mit 34,6 Milliarden Dollar gut ein Fünftel höher als ein Jahr zuvor. Der Umsatz stieg um rund elf Prozent auf fast 124 Milliarden Dollar, ebenfalls eine Bestmarke. Das iPhone war abermals der Wachstumstreiber.

Fast noch interessanter als die vorgelegten Zahlen wirken diejenigen, die Apple nicht erwirtschaften konnte. Denn ohne die Chip-Engpässe hätten die Kalifornier noch mehr verkaufen können. So schätzt Apple, dass der Umsatz dadurch um mehr als sechs Milliarden Dollar gedrückt wurde. Wenn allerdings, wie Experte Ingo Wermann von der DZ Bank schreibt, in der Analystenkonferenz zu den Quartalszahlen das Wort "Rekord" 41-mal vorkomme, dann zeige dies mehr als deutlich, dass der Konzern die bestehenden Lieferengpässe sehr gut abfedern konnte. Wermann rät zum Kauf der Aktie und sieht ihren fairen Wert bei 210 Dollar.

Mit einem Kurs von fast 183 Dollar hatte Apple Anfang des Jahres als erster Konzern der Welt einen Börsenwert von drei Billionen Dollar erreicht. Durch den Ausverkauf im Technologiesektor ging es bis zum Wochenanfang bis auf unter 155 Dollar abwärts. Inklusive des derzeitigen vorbörslichen Kursgewinns haben sich die Titel inzwischen wieder ganz gut erholt. Sollte sich das Problem des Chipmangels lösen, dürften sich Umsatz und Gewinn noch einmal deutlich steigern lassen, glaubt der Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von Robomarkets. In diesem Fall hätte auch der Aktienkurs womöglich noch viel Luft nach oben, schätzt er.

Anleger hatten vor der Quartalsbilanz von Apple die Sorge geäußert, dass ein womöglich schwaches Abschneiden von Apple und in der Folge hohe Kursverluste den Technologiesektor noch weiter nach unten ziehen könnten - mit unweigerlichen Folgen auch für den Gesamtmarkt. So hatte in der Vorwoche der Streamingkonzern Netflix seine Anleger enttäuscht und mit einem Kurseinbruch von fast 22 Prozent Schockwellen durch die Aktienmärkte gesandt.

Apple aber zeigte nun mit seinem Rekordquartal, dass es auch anders geht und verhindert damit im angeschlagenen Techsektor Schlimmeres. "Wenn es jemals einen Zeitpunkt gab, an dem der Aktienmarkt Apple wirklich brauchte, um die derzeit negative Stimmung aufzuhellen, dann diesen", schrieb Analyst Konstantin Oldenburger vom Broker CMC Markets.

Der Gesamtmarkt dürfte seine Stabilisierung nach dem Ausverkauf zum Wochenstart und dem Fed-Schock vom Mittwoch nun erst einmal fortsetzen, erläuterte Oldenburger. Mit seinen riesigen Bargeldreserven, enormen Cashflows und dem Aktienrückkaufprogramm sei Apple ein Fels in der Brandung. Allerdings sei auch der iPhone-Hersteller nicht komplett gefeit vor exogenen Schocks, wie der Covid-Crash 2020 gezeigt habe.

US-Bundesstaaten mischen sich in App-Store-Streit ein

Der "Fortnite"-Entwickler Epic bekommt in seinem App-Store-Streit mit Apple Unterstützung von 35 US-Bundesstaaten. In einer Stellungnahme als "Freunde des Gerichts" riefen sie dazu auf, im Berufungsverfahren das weitgehend zu Gunsten von Apple ausgefallene Urteil vom vergangenen Jahr zu kippen.

Die Generalstaatsanwälte der Bundesstaaten argumentieren unter anderem, dass die Interpretation der US-Anti-Monopolgesetze durch die kalifornische Bezirksrichterin Yvonne Gonzalez Rogers die künftige Durchsetzung von Wettbewerbsregeln gefährde.

Epic wollte in dem ursprünglichen Prozess vor dem Bezirksgericht das Recht erstreiten, auf dem iPhone einen eigenen App Store betreiben zu dürfen - und scheiterte damit. Epic habe nicht beweisen können, dass Apple wie ein Monopolist agiere, urteilte die Bezirksrichterin Gonzalez Rogers. Sie entschied zugleich, dass Apple Entwicklern nicht mehr verbieten darf, Nutzer auf Möglichkeiten zum günstigeren Kauf der Artikel außerhalb des App Stores hinzuweisen. Diese Regelung wurde jedoch vom Berufungsgericht bis auf Weiteres auf Eis gelegt.

Auch Microsoft - einst selbst im Visier von Kartellwächtern - äußerste sich als "Freund des Gerichts" zu Gunsten von Epic. Der Software-Riese, der mit seiner Xbox-Konsole und diversen Spiele-Studios im Gaming-Geschäft aktiv ist, verwies unter anderem auf Apples Einfluss als "Torwächter" im App Store.

Die US-Regierung erklärte in seinem Beitrag beim Berufungsgericht, es unterstütze keine der beiden Parteien. Ihre Forderung, die Anti-Monopol-Vorgaben anders anzuwenden als Richterin Gonzalez Rogers, könnte am Ende aber eher Epic zugute kommen. Washington verstärkte zuletzt die Wettbewerbsaufsicht bei großen Tech-Konzernen.

Bei dem Konflikt geht es letztlich darum, ob Apples hauseigener App Store weiter der einzige Ort bleibt, aus dem Anwendungen auf das iPhone geladen werden können. Im Mittelpunkt stehen auch die Gebühren von 30 oder 15 Prozent, die Anbieter bei digitalen Geschäften über die Apps an Apple zahlen müssen.

CUPERTINO/SAN FRANCISCO (dpa-AFX)

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