Umsatzsteigerung 31.07.2019 17:59:00

OMV verdoppelt Nettogewinn im zweiten Quartal - OMV-Aktie hebt ab

OMV verdoppelt Nettogewinn im zweiten Quartal - OMV-Aktie hebt ab

Die OMV hat ihr operatives Ergebnis im zweiten Quartal auf knapp 1,1 Mrd. Euro nahezu verdoppelt und damit die Milliardengrenze wieder überschritten - und das sei trotz eines ungünstigen Marktumfelds gelungen, betonte OMV-Chef Rainer Seele am Mittwoch im Gespräch mit der APA. "Dieses Ergebnis ist wirklich handgemacht, denn das Umfeld hat uns überhaupt nicht geholfen."

"Die Ölpreise sind um 7 Prozent niedriger gegenüber Vorjahr, die Gaspreise sind um 27 Prozent niedriger, und was noch viel wichtiger ist, die Raffineriemarge ist um 39 Prozent niedriger. Das Preisumfeld war also nur negativ, alles ist runtergegangen." Der von der OMV im ersten Halbjahr durchschnittlich realisierte Rohölpreis war mit 63,47 Dollar um 7 Prozent höher als im Vorjahr.

Positiv ausgewirkt hätten sich die Produktionssteigerungen bei der OMV, ein leicht verbessertes Margenumfeld im Bereich der Petrochemikalien und die weitere Kostensenkung. "Wir haben die Produktionskosten jetzt auf 6,9 Dollar pro Barrel absenken können, das heißt, wir haben um 9 Prozent weniger Kosten im Upstream-Bereich gehabt im Vergleich zum Vorjahr." Ebenfalls beigetragen habe eine gute Performance im Retailgeschäft.

Auch der Kunststoffproduzent Borealis, an dem die OMV 36 Prozent hält, habe einen höheren Beitrag geliefert. Allerdings sei der hohe Ergebnisbeitrag der Borealis auch auf die Auflösung einer Rückstellung für einen Steuerstreit in Finnland zurückzuführen.

Der Free Cashflow sei zwar im ersten Halbjahr nach der Dividendenausschüttung mit 176 Mio. Euro (1. HJ 2018: -541 Mio. Euro) noch immer negativ gewesen, aber der operative Cashflow sei mit rund 1,14 Mrd. Euro im zweiten Quartal (Q2 2018: 1,23 Mrd. Euro) "auf einem vollkommen neuen Niveau". In diesem Jahr werde die OMV wahrscheinlich einen negativen Cashflow haben. "Das wird aber nur eine einmalige Geschichte sein, denn in diesem Jahr müssen wir ja noch die Großakquisition in Abu Dhabi mit der Raffinerie bezahlen, und da reden wir über bis zu 2,5 Mrd. Dollar - das ist natürlich ein dicker, fetter Brocken."

Auch nach dem heute finalisierten 15-Prozent-Einstieg bei der ADNOC Refining in Abu Dhabi bleibt der Verschuldungsgrad der OMV unter dem langfristigen Zielwert von 30 Prozent - das sagte Finanzvorstand Reinhard Florey am Mittwoch in Wien bei der Präsentation des Halbjahresergebnisses. Nach dem zweiten Quartal lag die Verschuldung (Gearing) bei knapp 21 Prozent.

"Das entspricht einer Nettofinanzverschuldung von 3,3 Mrd. Euro", erklärte Florey. Auf der anderen Seite gebe es liquide Mittel von 3,7 Mrd. Euro. Neben Abu Dhabi gebe es auch noch das Projekt Achimov IV/V mit einem Volumen von 905 Mio. Euro, dabei sei aber nicht sicher, ob es noch heuer zu einem Closing kommen werde. Die hohe Cashposition werde sich jedenfalls verringern, aber weitere Akquisitionen seien nicht geplant, sagte OMV-Vorstandschef Rainer Seele. "Wir bleiben bei unserer Aussage, dass wir derzeit eine Pause zur Konsolidierung einlegen, um letztendlich unsere Cashposition dann wieder zu verbessern."

Den Zeitplan für die Fertigstellung der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2, an deren Finanzierung die OMV beteiligt ist, gelte nach wie vor, sagte Seele. Zwar gebe es Sanktionsdrohungen aus den USA, doch die dänische Umweltbehörde mache professionell ihre Umweltprüfung, "dementsprechend habe ich keinen Grund, den Zeitplan zu ändern". Bisher habe die OMV für das Projekt 687 Mio. Euro bezahlt, wobei die Zahlungen immer kleiner würden, weil 70 Prozent der Leitung verlegt seien. "Der größte Kostenblock ist gar nicht die Verlegung der Pipeline, sondern die Herstellung der Rohre, und die sind alle schon hergestellt und bezahlt worden."

Der diskutierten CO2-Steuer kann der OMV-Chef nichts abgewinnen. "Ich reihe mich nicht ein in den großen Club der Menschen, die sagen: Ich möchte mehr Steuern haben und mehr besteuert werden." Auch warnte Seele vor einem nationalen Alleingang in der Frage einer CO2-Steuer, weil es dadurch zu einer Wettbewerbsverzerrung und einer Schwächung des Investitions- und Innovationsstandorts Österreich kommen würde. Daher müsse es eine europäische Lösung geben. "Wenn wir Europäer nicht einmal untereinander in der Lage sind, uns auf was Vernünftiges zu einigen, wie können wir dann das globale Problem lösen?"

Anleger feierten das Quartalsergebnis an der Börse: Die Aktien von OMV gewannen zum Handelsschluss 4,40 Prozent auf 45,31 Euro.

APA

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