Streikbedingte Flugausfälle 16.04.2024 17:49:00

Lufthansa-Aktie tiefer: KV-Streit belastet Geschäftsergebnis von Lufthansa-Tochter AUA im ersten Quartal massiv

Lufthansa-Aktie tiefer: KV-Streit belastet Geschäftsergebnis von Lufthansa-Tochter AUA im ersten Quartal massiv

Das bereinigte Betriebsergebnis (EBIT) belief sich auf minus 122 Mio. Euro, im Vorjahresquartal lag der adjusted EBIT-Verlust bei 73 Mio. Euro. Die Auswirkungen der gewerkschaftlichen Kampfmaßnahmen hätten "zum zweitschlechtesten Q1-Ergebnis der Unternehmensgeschichte" geführt, so die Fluglinie am Montagabend in einer Aussendung.

Hauptgründe für den höher als erwarteten Verlust seien "der direkte finanzielle Schaden" aufgrund von gewerkschaftlichen Betriebsversammlungen und Streiks (rund 26 Mio. Euro), die dadurch entstandene Buchungszurückhaltung (rund 10 Mio. Euro) sowie gestiegene Standort- und Personalkosten, erklärte die Lufthansa-Tochter.

Die Verhandlungen für einen neuen AUA-Bordpersonal-KV ziehen sich bereits seit Wochen hin und waren von Betriebsversammlungen und Streiks mit Hunderten Flugausfällen begleitet. Die Gewerkschaft vida hat nun ihre Mitglieder online über das neue Arbeitgeber-Angebot abstimmen lassen, die Verhandlungen sind bis dahin unterbrochen. Die Befragung hat in der Nacht auf Donnerstag begonnen und läuft bis Montag, 15. April, um 23:59 Uhr. Die Ergebnisse will die Gewerkschaft am Dienstag veröffentlichen.

Für das zweite Quartal rechnet die AUA aufgrund der anhaltenden KV-Verhandlungen und "der entstandenen massiven Verunsicherung" der Kunden mit "einer enormen Belastung" des Jahresergebnisses. Für heuer sei die bisher angestrebte Gewinnmarge von rund 5 Prozent (2023: 5,4 Prozent) somit nicht mehr erreichbar.

Weitere Details zum Finanzausblick wollen die Austrian Airlines im Rahmen der Veröffentlichung der finalen Ergebnisse zum ersten Quartal am 30. April veröffentlichen.

Die AUA-Mutter Lufthansa hatte zuvor am Montag mit dem Verweis auf zahlreiche Streiks in der Konzern-Gruppe und von Flughäfen-Mitarbeitern bereits die Jahresprognose für das bereinigte Betriebsergebnis 2024 von 2,7 auf 2,2 Mrd. Euro gesenkt. Neben direkten Kosten massiver Flugausfälle werde auch nach Beilegung von Tarifkonflikten die Buchungsnachfrage gedämpft, hieß es.

Ergebnis der Abstimmung erst am Nachmittag

Die Gewerkschaft vida hat ihre Mitglieder beim fliegenden Personal der AUA über das jüngste KV-Angebot der Fluglinie am Montag abstimmen lassen. Das Ergebnis werde aber erst nach einem Gespräch mit dem AUA-Management heute, Dienstagnachmittag, veröffentlicht, teilte eine Sprecherin auf APA-Anfrage mit. Am Vormittag seien noch Beratungen innerhalb der Gewerkschaft vorgesehen. Das Gespräch mit dem Management ist für 16 Uhr geplant.

Die AUA bietet für heuer eine Lohnerhöhung um 8 Prozent und für 2025 und 2026 von jeweils 5 Prozent an. Co-Piloten sollen bis zu 10 Prozent mehr erhalten. Ein Streik sowie mehrere Betriebsversammlungen führten heuer im Frühjahr bereits zu Hunderten Flugausfällen. Das habe den Verlust im ersten Quartal massiv vergrößert und das bereinigte Betriebsergebnis (EBIT) auf minus 122 Mio. Euro gedrückt, teilte die Airline am Montagabend mit. Die Auswirkungen der gewerkschaftlichen Kampfmaßnahmen hätten "zum zweitschlechtesten Q1-Ergebnis der Unternehmensgeschichte" geführt.

Hauptgründe für den höher als erwarteten Verlust seien "der direkte finanzielle Schaden" aufgrund von gewerkschaftlichen Betriebsversammlungen und Streiks (rund 26 Mio. Euro), die dadurch entstandene Buchungszurückhaltung (rund 10 Mio. Euro) sowie gestiegene Standort- und Personalkosten, erklärte die Lufthansa-Tochter.

WKÖ-Luftfahrtchef - und Flughafen-Wien-Vorstand - Günther Ofner kritisierte die vida-Umfrage zum KV schon vor Veröffentlichung des Ergebnisses. Es sei eine "Fake-Befragung", die weder transparent noch repräsentativ sei, da nur rund ein Viertel der AUA-Beschäftigen daran teilnehmen habe können. Selbst GPA-Gewerkschaftsmitglieder seien ausgeschlossen gewesen. "Eine derartig manipulative Befragung legitimiert keine weiteren Aktionen gegen die AUA, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und den Luftverkehrsstandort", so Ofner in einer Aussendung der WKÖ. Es würden aber nicht nur bei der AUA, sondern auch bei anderen Unternehmen am Standort Arbeitsplätze "mutwillig und mit völlig überzogenen, unerfüllbaren Forderungen gefährdet".

"Wem die Zukunft der AUA und die Arbeitsplätze am Luftfahrtstandort Österreich am Herzen liegen, der muss sich daher für ein Ende der ungerechtfertigten Aktionen der vida entscheiden", schließt Ofner.

Die Lufthansa-Aktie verlor im XETRA-Handel letztlich 2,56 Prozent auf 6,39 Euro.

(APA)

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